Friede im Garten

Es war angenehm warm hinter meinem Haus bei den Apfelbäumen. Der Nachbarshund döste friedlich in der Hitze, ein paar Bienen summten zwischen den Gänseblümchen umher. Mascha, Angela und ich hatten gerade begonnen, Wikingerschau zu spielen. Mit einem freundlichen „Klick-Klock“ stießen unsere Holzscheite gegeneinander. Unsere Gespräche dümpelten gemächlich dahin.

Doch mit einem Mal musste ich innehalten. Denn ich hatte erst jetzt bemerkt, welche größere Schönheit dieser friedliche Augenblick barg. Noch vor 25 Jahren waren sich Westdeutsche und Russen fremd gewesen. Natürlich kenne ich noch die alten Klischees über den Sovietmenschen, nicht unfähig zur Freiheit doch in ihr ungeübt, der einem gebückten Menschenschlag entstammte, dessen Seele die Partei versklavt hielt. Die Kommunisten verborgen sich hinter der Mauer in einem Reich, in dem der kalte Wind der Tyrannei das Land verödete. Aber jederzeit waren die sie bereit mit Rotarmisten, Panzern und Nuklearwaffen der ganzen Welt ihren Winter zu bringen.

Doch die Mauer ist gefallen. Der nukleare Frost blieb aus. Eine laue Böe ging durch die Weltgeschichte und erlaubte der verkrampften, geschundenen und starren Erde für einen Augenblick, aufzuatmen. Dass Mascha und Angela in meinem Garten spielen können, war nun Zeichen dieses guten Wandelns. Mit einmal waren die beiden für mich Botschafterinnen der neuen Welt, die nicht mehr streng geteilt ist.

Tiefe Dankbarkeit durchströmte mich. Die Roten und Blauen hätten Raketen gegeneinander schicken können, um sich beide auszulöschen. Sie taten es nicht. Stattdessen fliegen nun kleine Holzscheite zwischen drei Menschen hin und her und feiern mit jedem freundlichen „Klick-Klock“ einen warmen Frieden.

Autor: Simon Hartmann

Schüleraustausch Hagen-Smolensk

Auf das Treffen mit den Schülern aus Hagen und Smolensk habe ich mich besonders gefreut. Es ist noch nicht so lange her, als ich selbst Schülerin war, deswegen erinnere ich mich noch sehr gut an unseren Schüleraustausch mit Deutschen. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich wie wichtig solche Treffen mit den Gleichaltrigen aus einem anderen Land sind. Auf einmal siehst, du das die Welt viel größer und vielseitiger ist als deine eigene Schule, deine Stadt und deine Familie. Ich denke, den Schülern aus Hagen und Smolensk ging es an diesem Tag ähnlich, weil die Aufregung in der Ricarda-Huch-Gymnasium sofort zu spüren.

?

?

Als 22 Schüler*innen aus Smolensk, ihre Lehrer und ihre deutsche Gastgeber alle da waren, gingen wir ins Rathaus. Dort wurde die Delegation herzlich von Herrn Peter Mook, den Bereichsleiter der Städtepartnerschaften und Internationalen Angelegenheiten empfangen. Herr Mook hat den Schülern über Besonderheiten der kommunalen Politik und Verwaltung in Deutschland erzählt. Ich glaube, russische Schüler haben für sich viel Neues gelernt, weil in Russland die kommunale Politik ein bisschen anders funktioniert. In Hagen konnte man merken, dass das Rathaus ein Haus FÜR Bürger ist und kommunale Politik bürgernah ist.

Hagen_1Hagen_2

Eine der Fragen an Herrn Mook war: Was für ein Stellenwert haben Städtepartnerschaften und Schulpartnerschaften in der Stadtverwaltung in Hagen? Die Städtepartnerschaften für Hagen ist nicht nur die Sache offizieller Delegationen. Nur dann können Städtepartnerschaften gut funktionieren und sich weiter entwickeln, wenn man Beziehungen und Freundschaften in ganz unterschiedlichen Kreisen pflegt.

Städtepartnerschaft Hagen-Smolensk ist eine der lebendigsten unter Hagener Städtepartnerschaften. Mehr als 500 Gäste aus Smolensk kommen jährlich nach Hagen. Zum Beispiel: 4 bis 6 Mal findet im Jahr Austausch der Sportmannschaften statt.

Zum Schluss hat Peter Mook uns ein ganz interessantes Bild gezeigt. 24 Künstler aus Hagen uns Smolensk haben an diesem Bild gearbeitet. Jeder durfte darauf malen, wenn es einem Beitrag der anderen nicht gefallen hat, jeder durfte etwas Eigenes hinzufügen. Trotzdem konnten sich alle am Ende gut verständigen.

Hagen_3

Weiter geht es für Schüler der Ricarda-Huch-Gymnasium und ihre Freunde aus Russland nach Südfrankreich. Wie kann man sich sonst besser kennenlernen, als auf einer Reise! Viel Spaß euch!

Vielen Dank an Uli Kopitz und Lena Lesnikowa, die sich schon seit Jahren für den Schüleraustausch engagieren.

DRA Ruhr zu Gast in Essen

nizhnynovgorod2005_city_coa Wappen-Essen

Die Deutsch-Russische Akademie Ruhr knüpft weiter Kontakte. Diesmal habe ich im Namen des Projektes die Stabsstelle Internationale Beziehungen besucht und dabei auch den Verein „Deutsch-Russische Begegnungen“ kennengelernt.

Die Städtepartnerschaft zwischen Essen und Nizhnij Nowgorod gibt es seit 25 Jahren und ist aus einer Bürgerinitiative entstanden. Im Gegenzug zu Dortmund z.B. und einigen anderen Städten des Ruhrgebiets, wo die Städtepartnerschaften mit russischen Städten aufgrund der ähnlichen industriellen Struktur beschlossen wurden,  begann die Freundschaft zwischen Nowgorod und Essen auf der gesellschaftlichen Ebene. Der Verein „Deutsch-russische Begegnung e.V.“ hat viel dazu beigetragen.

Die Städtepartnerschaften der Städte im Ruhrgebiet sind trotzdem von der Industriegeschichte geprägt. So pflegt der Regionalverband Ruhrgebiet intensive Kontakte mit einem Regionalverband im Nord-Osten Englands. Im Laufe der Jahre hat man ein Themencluster für gemeinsame Begegnungen ausgearbeitet. Die Themen sind wenig überraschend: Industriekultur und Strukturwandel.

Doch Herr Michael Theisen vertritt aber die Meinung, dass man bei der Entwicklung der Städtepartnerschaften nicht unbedingt Vorlieben haben sollte (eine Industriestadt arbeitet mit einer Industriestadt zusammen). So steht  heutzutage Jugendaustausch im Focus der Städtepartnerschaft Essen –Nizhnij Nowgorod (Russland). Essen unterstütz  aktiv den Studentenaustausch. Zum Beispiel bekommen Studenten Möglichkeit ein Praktikum in der Journalistenschule NRZ (Neue Ruhr-Zeitung) zu absolvieren. Möglichkeiten für den Austausch gibt es auch für Medizinstudenten im Rahmen der Kooperation zwischen der Medizinischen Akademie Nizhnij Nowgorod und dem Universitätsklinikum Essen. Eins der letzten Jugendprojekte wurde dem 70. Jahrestag des Kriegsendes gewidmet. Jugendliche aus den beiden Städten haben sich über Symbole des Sieges und des Friedens und ihre unterschiedliche Bewertung in Russland und in Deutschland ausgetauscht.

Auf der Konferenz „Deutsch-Russische kommunale Partnerschaften – Auf dem Weg von Karlsruhe 2015 nach Krasnodar 2017, die Anfang Juni 2016 in Moskau stattgefunden hat und wo die Deutsch-Russische Gesellschaft Essen vertreten war, wurde sogar eine spezielle Arbeitsgruppe „Deutsch-Russische Städtepartnerschaften des deutsch-russischen Jugendaustauschs 2016-2017“ gegründet, um Städte sich über Best Practice Beispiele im Bereich der Jugendarbeit austauschen konnten. Essen – Nizhnij Nowgorod wurde als eine vorbildliche Städtepartnerschaft für ihre Jugendarbeit gelobt.

Die Deutsch-Russische Akademie Ruhr möchte, dass auch andere Städte von diesen best practice Beispielen lernen. Deswegen haben wir vor, eine öffentliche Veranstaltung für  das breite Publikum und für  Vertreter der Städtepartnerschaftsvereine aus der Region Ruhr organisieren.

2016: Project Sixty nimmt richtig Fahrt auf – von Çarsamba/Samsun in der Türkei nach Rostow am Don in Russland – das richtige Terrain für Asphalt Junkies

Spannung, positive Aufregung war zu spüren als wir uns dieses Jahr auf Tour begaben. Über die Türkei hatten wir, nach 2 Jahren Erfahrungen konkrete Vorstellungen, was uns erwarten würde. Wir wurden nicht enttäuscht. Gute Straßen an der Schwarzmeerküste, eine traumhafte Passage abseits der D-010, viele nette Begegnungen auf der Straße, in Cafés, Restaurants und Hotels bestätigten unser positives Bild von der Türkei. Ganz toll war natürlich die Situation, dass wir am 19. Mai unterwegs waren.  In der Türkei ist das der Feiertag der Jugend, des Sports und an das Gedenken an Atatürk, speziell an Atatürks Ankunft in Samsun 1919, und Beginn des Befreiungskrieges. Die Festivitäten waren unübersehbar und wir sozusagen mitten drin.

Beim Weiterflug von Trabzon über Istanbul nach Sotchi kam dann Nervosität auf. In Istanbul beim „International Check-In“ für Sotchi erfuhren wir, dass der Flug gecancelt war. Super, und was nun? Zuerst einmal ging es in ein tolles Hotel und wir hatten Zeit für Sightseeing in Istanbul am nächsten Tag. Wären wir nicht hartnäckig geblieben, wären wir auch sonntags nicht weitergekommen, denn unsere Abholung abends im Hotel war auf 22 Uhr terminiert. Auf unserer Bordkante war die Abflugzeit mit 22 Uhr 40 angegeben. Hier konnte was nicht stimmen. Nach Abklärung mit Türkisch Airlines wurden wir dann um 19 Uhr abgeholt und kamen mitten in der Nacht in Sotchi an. Jetzt konnte das Abenteuer Russland beginnen. Mit Sotchi, der russischen Riviera am Schwarzen Meer, dem Kaukasus und den 2 Fahrtagen in der Region Krasnodar erlebten wir tolle Tage, voller Erlebnisse. Zusammengefasst kann man sagen, wir trafen sehr viele freundliche und hilfsbereite Menschen, die in der Regel erstaunt waren, dass 2 Deutsche sich aufmachen, in Russland Fahrrad zu fahren. Wie in der Türkei, waren wir auch in Russland die Exoten, was wir aber auch genossen. Ein Novum auf unseren bisherigen Touren, stellte die Einladung unserer Gastgeberin in Pavlovskiy Rayon, zur kostenlosen Übernachtung dar. Ein großes Dankeschön nochmal. Durch den Verlust eines Fahrtages mussten wir in Russland die Strecke modifizieren und auch mal richtig reintreten, um dann doch wie ursprünglich geplant „Rostow am Don“ zu erreichen. Die Erleichterung war schon groß als wir es dann geschafft hatten. Ein besonderer Dank, wie immer, an meinen Mitstreiter Joachim, der auch in diesem Jahr nicht nur die Technik voll im Griff hatte.

Und wie das nun mal so ist nach so einer Tour, wir freuen uns schon auf das nächste Abenteuer in 2017, wenn wir dann die letzte Teilstrecke des „Projektes Sixty“ in Angriff nehmen.

Von Rostow am Don über Wolgograd nach Moskau.

Autor: Alois Weber

IMG_3362IMG_3468IMG_3642IMG_3677