Deutsch-Russische Literarische Begegnungen in Pjatigorsk

Es war im September 2017, als ein paar Autoren aus Schwerte und Dortmund auf eine Idee gekommen sind, Literaten aus der russischen Partnerstadt Pjatigorsk kennen zu lernen. Über einen Journalisten aus Schwerte haben sie erfahren, dass die Auslandsgesellschaft bereits seit 2015 einen intensiven Austausch mit der Universität von Pjatigorsk betreibt.

Das ursprüngliche Ziel dieser Kooperation war die Suche nach einer deutschen Partnerhochschule für die Universität Pjatigorsk, doch die Initiative der Literaten, eine kulturelle Brücke aufzubauen, fanden wir nicht weniger interessant. Wir hielten die Initiative sogar für besonders wertvoll, weil sie nicht von einer Institution oder einer Stadtverwaltung kam, sondern von einfachen Bürgern, die noch nie in Russland waren, aber den Wunsch verspürten, mit der modernen russischen Literatur in Berührung zu kommen und Gleichgesinnte aus Russland kennen zu lernen. So startete die Auslandsgesellschaft zusammen mit dem Autorenstammtisch „LiteraturRaumDortmundRuhr“ und der Staatlichen Universität Pjatigorsk ein neues Projekt – Deutsch-Russische Literarische Begegnungen 2018.

Erste Besprechung für die Vorbereitung der literarischen Begegnung. Ort

Erste Besprechung für die Vorbereitung der literarischen Begegnung. Ort „LiterarturRaumDortmundRuhr“

Wie lernt man am besten jemanden kennen? Am besten spricht man den Gegenüber direkt an, verbringt eine gewisse Zeit mit ihm zusammen und lernt das Umfeld und die Lebensweise des neuen Freundes kennen. Deswegen haben wir beschlossen, fünf deutsche Autorinnen und Autoren im Frühjahr 2018 nach Pjatigorsk zu delegieren. Doch das war nur der Anfang des Projektes…

Danach folgten ein Ideensturm und ein reger E-Mail-Wechsel mit dem russischen Partner  und natürlich die Suche nach den Fördermitteln. Bald war das Programm fertig. Der Höhepunkt der Begegnung sollte das Festival der Straßenpoesie werden. Die deutschen Autoren freuten sich von Anfang an darauf, ihre Werke dem russischen Publikum zu präsentieren.

Im Rahmen der Kontaktanbahnung wurden erste Texte auf elektronischem Wege ausgetauscht und übersetzt. Durch die Unterstützung von Frau Dr. Natalia Kashirina und der DAAD-Lektorin Marlies Wenzel, die an der Universität Pjatigorsk lehrt, wurden diese Texte übersetzt und den Studierenden zugänglich gemacht. Dank des Einsatzes von Frau Wenzel wurden im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Musik und Literatur“ einige Texte der Dortmunder Gruppe von Studierenden vertont und im Rahmen einer Veranstaltung aufgeführt.

Auf unserem Weg wurden wir durch die Stiftung West-Östliche Begegnungen unterstützt. Durch die Förderung konnten zum Teil die Reisekosten finanzieren werden und die Universität Pjatigorsk hat sich um die Unterbringung der deutschen Gäste gekümmert. Fünf Autorinnen und Autoren aus Dortmund, Bochum, Schwerte und Lüdenscheid konnten nun ihre Koffer packen… Sie packten die Bücher mit ihren Texten, die sie auf dem Festival der Straßenpoesie  später vorlesen werden ein und nahmen neben Neugier auch teilweise Sorgen mit. Wie kommt man mit einer anderen Sprache, einer anderen Kultur oder anderen Essgewohnheiten klar? Nach fünf Tagen in Pjatigorsk ist von den Sorgen nichts übrig geblieben. Unsere Literatur-Botschafter haben ihre Meinung über Russland zum Positiven geändert.

Vor dem Gebäude der Staatlichen Universität von Pjatigorsk

Vor dem Gebäude der Staatlichen Universität von Pjatigorsk

In diesen fünf Tagen hat das Schriftsteller-Team viel erlebt: offizielle Termine an der Universität, einen Runden Tisch mit den literaturbegeisterten Studenten, einen Internationalen Lermontov-Kongress, einen intensiven Austausch mit den Schriftstellern aus dem Pjatigorsker Literaturklub „Brett der Arche“ und mehrstündige Spaziergänge in den schönsten Orten der Region Mineralnye Vody.

Wir haben von allen Mitwirkenden sehr positive Rückmeldungen bekommen und möchten, dass die Kulturbrücke zwischen Westfalen und dem Nordkaukasus stärker und stabiler wird. Deswegen organisiert die Auslandsgesellschaft am 16. – 20. September 2018 eine zweite Schriftsteller-Begegnung in Dortmund.

Mehr Details und mehr Eindrücke finden Sie in den Reiseberichten der Autorinnen und Autoren:

Christiane Bogenstahl: „Immer möge die Sonne sein – Kulturaustausch im Kaukasus „

Daniela Gerlach: Einblicke in die moderne russische Literatur

Anne-Kathrin Koppetsch: Internationaler Lermontov-Kongress

Patricia Malcher: Der letzte Tag unserer Russland-Reise im Mai 2018

Thorsten Trelenberg: Reisebericht von Thorsten Trelenberg

Die Gemeinnützige Stiftung West-Östliche Begegnungen fördert vielfältige Begegnungen für Völkerverständigung und Frieden mit den unabhängigen Staaten auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion, die Auf- und Ausbau von längerfristigeren Partnerschaften und Beziehungen ihrer Bürger dienen. Insgesamt hat sie in den vergangenen 23 Jahren rund 4500 Projekte im Schüler-, Jugend- und Kulturaustausch, als Bürgerbegegnungen und im Rahmen kommunaler Partnerschaften bewilligt und mit ca 10,1 Mio Euro gefördert. Im Mittelpunkt der unterstützten Maßnahmen stehen die direkten Begegnungen zwischen Menschen aus Deutschland und den genannten Ländern, die als themen- oder projektbezogene Aktivitäten stattfinden.

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