Die LILA Welt der Literatur von Westfalen bis zum Kaukasus

Sdrazdvuitje begrüßen wir, mühsam die fremden Laute artikulierend, am 16.9.2018 unsere gerade eingetroffenen Gäste aus Pjatigorsk, die Maria Khavanova von der Auslandsgesellschaft vom Flughafen Düsseldorf abgeholt hat. Wir, das sind Claudia Hummelsheim, Cornelia Ertmer, Thomas Kade und Thorsten Trelenberg. Ein zugegebenermaßen kleines Empfangskomitée vor den Türen der Auslandsgesellschaft. Aber es ist Sonntag Abend und der offizielle Beginn ist erst für den Montag Morgen geplant, mit Vorstellungsrunde und erstem Austausch.

Wie? Auf deutsch und russisch natürlich. Zwei junge Slavistikstudentinnen aus Bochum stehen die ganze Woche zur Verfügung und übersetzen kompetent und charmant von der einen in die andere Sprache, Lisa Dushina und Kathrin Lind.

Unsere wunderbaren Übersetzerinnen Kathrin Lind und Liza Dushina

Unsere wunderbaren Übersetzerinnen Kathrin Lind und Liza Dushina

Vorangegangen war diesem Gegenbesuch der russischen Gäste ein hektischer Mailverkehr. Wer ist wann wo wie in welcher Form dabei? Wer kann, soll muss fahren, wohin, womit? Wer kümmert sich um? Ganz wichtig: Wo kommen die Gäste unter? So viele Dinge mussten bedacht werden, seit Thorsten im Juli zuvor strahlend verkündet hatte: Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Unser Besuch in Pjatigorsk wird erwidert. Die schlechte: Bald schon, im September.

Doch dank Thorstens unerschütterlichem Optimismus und weitverzweigtem Netzwerk und dank der ebenfalls unerschütterlichen Gelassenheit Maria Khavanovas, die für die Rundumkommunikation in Form von informativen Emails und ausgearbeiteten Plänen sorgte, stand in kürzester Zeit ein Programm, das sich sehen lassen konnte. Der rote Faden: die Literatur in Russland und Deutschland.

Mitgereist war der Schriftsteller Vladimir, Shatakishvili, Mitglied des Schriftstellerverbandes, Professor Dr. Viacheslav Shulzhenko, Leiter der Abteilung für „kreatives Schreiben“ an der Staatlichen Universität Pjatigorsk, Tatjana Savchenko, Dozentin der Fakultät für russische Philologie und Schriftstellerin, Natalja, Kashirina, Dozentin für Deutsch und Englisch des Instituts für Fremdsprachen und internationalen Tourismus. Eine kleine illustre Abordnung aus dem Kaukasus.

Die Tage waren mit einem anspruchsvollen Programm restlos ausgefüllt. Mit von der Partie waren nicht nur unsere „Delegierten“, die im Mai erstmals den Kontakt zu Pjatigorsk hergestellt hatten, sondern weitere Mitglieder des LiteraturRaumsDortmundRuhr.

Viacheslav Shulzhenko, Claudia und Helga Hummelsheim, Natalia Kashirina, Vladimir Shatakishvili

Viacheslav Shulzhenko, Claudia und Helga Hummelsheim, Natalia Kashirina, Vladimir Shatakishvili

Mit drei PKW, d.h. 12-14 Personen ging es zunächst am Montag nach Münster zum frisch gegründeten internationalen Centre of literature auf der Burg Hülshoff bei Münster, dem Geburtsort einer unserer berühmtesten Dichterinnen, Annette von Droste-Hülshoff. Jörg Albrecht, Leiter des Zentrums, ehemaliges Mitglied des Autorenforums in Dortmund, empfing uns und stellte sich den Fragen der Gäste. Beeindruckend sein Engagement, die Freude, die er ausstrahlte. Ähnliches erfuhren die Gäste in den folgenden Tagen, im Literaturhaus Herne mit Frau Röttsches und Frau Geiger und im Westfälischen Literaturbüro Unna mit Herrn Remmert.

Wie wichtig solche literarischen Begegnungsstätten sind, um den Kontakt zwischen dem Autor und den Lesern herzustellen und zu fördern, wurde den Besuchern in kurzen Vorträgen mit anschließendem ausführlichen Gespräch eindrucksvoll vermittelt.

Die Bedeutung der Literatur aus wissenschaftlicher Sicht erörtern, im praktischen Tun erleben. Einerseits gab es die Vorträge von Professor Shulzhenko, Natalja Kashirina und Heinrich Peuckmann und Volker Degener im Saal der Auslandsgesellschaft am Dienstag. Andererseits war da am Mittwoch Abend auf Zeche Zollern die sehr unterhaltsame literarische Performance mit deutschen und russischen Texten von Anne-Kathrin Koppetsch, Thomas Kade und Thorsten Trelenberg, von Vladimir Shatakishvili und Tatjana Savchenko.

Schulbesuche und Gespräche mit russisch lernenden Schülern rundeten das Programm.

So richtig nahe kamen sich Gäste und Gastgeber jedoch besonders an den geselligen Abenden. Erich Fritz, Vorstandsmitglied der Auslandsgesellschaft, hatte zum Grillabend geladen. Seinem Einsatz hatten wir die notwendigen finanziellen Zuschüsse zu verdanken.

Finale furioso am Freitag Abend. Mit Gesang und Gitarre, mit wunderbaren Gesprächen mit dem und jenem, Gespräche über Literatur und anderes. Gastgeberin war Claudia. Sie hatte ihr Haus zur Verfügung gestellt. Viele waren gekommen, die in der Woche keine Zeit gehabt hatten. Alle waren gut gelaunt, die Atmosphäre locker und selbst der ernste Herr Shatakishvili kapitulierte und ließ sich zu dem ein oder anderen Lächeln hinreißen. Einfach schön.

Apropos Gitarre. Lisa und Roman entpuppten sich als wahre Virtuosen auf diesem Instrument und trugen mit ihren musikalischen Einlagen wesentlich zum Gelingen des Abends bei. Wer Roman ist? Der Mann von Tatjana. Er gehörte nicht offiziell zur Delegation, war privat mitgereist, gab aber sein Bestes als Unterhalter und grandioser Erzähler. Sein Beruf? Russisch-orthodoxer Priester.

Beim Abschied sind sich alle einig: Unsere Beziehung muss fortgesetzt werden. Auf allen Ebenen. Diese Begegnung kann nur der Anfang gewesen sein.

An dieser Stelle noch einmal ein von Herzen kommender Dank an Erich Fritz, Maria, Lisa und Kathrin, die keine Kosten und Mühen scheuten, sogar ihre Freizeit opferten, um für uns da zu sein.

Beitrag von Cornelia Ertmer