IMG_5231

Kulturbrücke Wuppertal – Engels

Ich habe mich eigentlich auf eine offizielle Veranstaltung im Landtag eingestimmt. Ich wollte mich und die Auslandsgesellschaft der russischen Delegation aus der Region Saratow vorstellen und Bescheid sagen, dass ich den folgenden Termin am Sonntag für sie organisiert habe. Doch sobald ich die Gäste aus Russland gesehen habe, wurde mir klar, das wird keine trockene Protokollveranstaltung sein.

Ich habe die Gruppe bereits auf dem Foto  gesehen. Und dann plötzlich standen sie vor mir an der Haltestelle. Man konnte sie mit keinen anderen Jugendlichen verwechseln – so ausdrucksvoll waren ihre Gesichter, so charismatisch war ihre Ausstrahlung!

Ich habe ein kleines Grüppchen auf Russisch angesprochen: „Fahrt ihr auch zum Landtag?“ In wenigen Minuten, ganz spontan haben wir uns kennengelernt. Sie sind junge Aktivisten der deutschen Klubs aus der Region Saratow an der Wolga. Die meisten sind Russlanddeutsche. Sie sind auf Einladung des Vereins „Kulturbrücke Wuppertal – Engels“ und des Büros des Landtagsabgeordneten Werner Jostmeier für einige Tage nach Deutschland gekommen, um ihr Theaterstück zu zeigen. Also, eine Gastspielreise! Wie einer meiner neuen Bekannten gescherzt hat: „Professionelle Schauspieler studieren jahrelang uns spielen dann das ganze Leben in den Theatern in der Provinz, und wir, nicht-professionelle Schauspieler, haben bereits Gastspielreisen im Ausland!“

Sie sind sehr wissbegierig. Sie wollen alles wissen. Im Landtag stellen sie viele Fragen über das politische System Deutschlands und des Landes NRW. Aber auch an meiner eigenen Geschichte haben sie ein großes Interesse. „Wie ist das Leben in Deutschland? Wie oft fährst du nach Hause? Welche Unterschiede zwischen Russen und Deutschen hast du bemerkt?“ Wir haben uns schnell angefreundet und ich habe sie alle ins Herz geschlossen.

Ich war sehr gespannt auf das Theaterstück und wollte meine neuen Bekannten nun mal endlich auf der Bühne sehen. Im Theaterstück, das am Sonntag in Wuppertal aufgeführt wurde, sollte es sich um die Tragik der Deportation der Sowjetdeutschen im Jahre 1941 handeln. Doch es fängt wie eine Komödie an. Ein unbeschwertes Leben einfacher Menschen, Russen und Deutschen, in der Stadt Engels an der Wolga…Ein junger Poet kann nicht entscheiden, in welche der drei Frauen er verliebt ist. Am Ende stimmt sein Herz der jungen deutschen Frau Erna zu. Plötzlich steht ein NKWD-Offizier auf der Bühne und liest den Dekret  des Obersten Sowjets der UdSSR vom 28. August 1941 über die Deportation der Sowjetdeutschen vor. Erna und ihre Verwandten müssen sofort ihre Sachen packen und werden von dem Offizier abgeholt. Die erst angefangene Liebesgeschichte nimmt ein tragisches Ende. Im Anschluss singt der Chor das Lied der Moorsoldaten, die Hymne der Gefangenen der Konzentration- und Arbeitslager. Das geht mir unter die Haut.

IMG_5231 IMG_5226

Man hatte viele Fragen an die Schauspieler. Was bewegt junge Menschen in ihrer Freizeit, sich mit der Geschichte zu beschäftigen und sie künstlerisch aufzuarbeiten. „Wir wollen unsere Vergangenheit besser kennen lernen. Das, was Sie gerade auf der Bühne gesehen haben, ist auch in unserer eigenen Familien passiert“.

Durch diese Begegnung habe ich einen Faden zwischen Russland und Deutschland für mich gefunden, ich glaube einen festen Faden. Auf einer Seite junge Menschen mit deutschen (und nicht nur deutschen) Wurzeln, die in Russland leben und Kontakt zu Deutschland halten, auf der anderen Seite ich, Russin, die Deutschland liebt und ein großes Interesse an die deutsch-russischen Begegnungen hat und diese im Rahmen des  Projektes „Deutsch-Russische Akademie Ruhr“ unterstützt.

*  Die Auslandsgesellschaft und die Deutsch-Russische Akademie Ruhr arbeitet mit den Partnern aus der Politik Zusammen. Das Projekt ist aber unparteiisch und vertritt keine Interessen der politischen Parteien oder Bewegungen.


 

Вообще-то я настроилась на официальное мероприятие в Ландтаге (земельном парламенте). Я собралась представить себя и нашу организацию Auslandsgesellschaft и сообщить, что я организовала мероприятие в воскресенье для наших гостей и России. Но как только я увидела наших гостей, я поняла, что это мероприятие не будет официальным протокольным мероприятием.

До этого я видела эту группу ребят на фото для плаката к их постновке. И вдруг они стоят передо мной на остановке. Их нельзя было перепутать с другими молодыми людьми – настолько выразительные и харизматичные лица.

Я спросила их по-русски: „Вы тоже едете в Ландтаг?» И всего за несколько минут, спонтанно, на оснановке и в трамвае, пока мы ехали в Ландтаг, мы познкомились. Они молодые активисты немецких культурных автономий из Саратовского региона и других городов. Большинство из них российские немцы. Они приехали по приглашению общества «Культурный мост Вупперталь – Энгельс»  и депутата Ландтага Вернера Йостмайера на несколько дней в Германию, чтобы представить свой спектакль. В общем, гастроли. Один из моих новых знакомых пошутил: «Профессиональные актеры годами учатся, а потом всю жизнь играют в провинциальных театрах, а мы, непрофессионалы, уже на гастроли заграницу ездим».

Они очень любознательные и хотят все знать. В Ландтаге они задают много вопросов о политической системе Германии и земли Северный Рейн – Вестфалия. Но и к моей личной истории у них большой интерес. «Как тебе жизнь в Германии? Часто ли ты ездишь домой? Какие различия между немцами и русскими ты заметила?». Мы быстро подружились и они мне очень понравились.

IMG_2135 IMG_2133

Мне не терпелось увидеть спекталь и моих новых друзей на сцене. Спектакль, который был показан в воскресенье  в Вуппертале, должен был рассказать о трагических событиях депортации советских немцев в 1941-м году. Однако в начале он был больше похож на комедию. Беззаботная жизнь обычных людей, русских и немцев в городе Энгельс на Волге…Молодой поэт не может решить, в кого из трех девушек он влюблен. В конце концов его сердце выбирает немецкую девушку Эрну. И вдруг на сцене появляется офицер НКВД, который зачитывает приказ о депортации немцев от 28 августа 1941 года. Эрна и ее родственники должны в тот же момент собрать все вещи, их уводит с собой офицер. Только начавшаяся история любви трагически обрывается.  В конце хор поет «Песню болотных солдат», гимн узников концентрационных лагерей. Она пробирает до мурашек.

У зрителей было много вопросов к исполнителям. Что заставляет молодых людей в свободное время заниматься историей и перерабатывать историю с помощью театрального искусства? «Мы хотим лучше узнать свое прошлое. То, что Вы только что видели на сцене, это часть истории наших семей».

После этого знакомства, кажется, что я нашла нить между Россией и Германией. И я думаю, прочную нить. С одной стороны молодые ребята с немецкими и не только корнями, которые живут в России, но сохраняют контакт с Германией. С другой стороны я, русская, которая имеет огромный интерес к таким российско-немецким встречам и поддерживает их в рамках проекта «Германо-Российская Академия Рур».


 

* Мы просим принять во внимание, что Auslandsgesellschaft и Deutsch-Russische Akademie сотрудничают с представителями политики, однако не представляют интересы какой-либо политической партии или движения.


 

Die Moorsoldaten

Wohin auch das Auge blicket.
Moor und Heide nur ringsum.
Vogelsang uns nicht erquicket.
Eichen stehen kahl und krumm.

Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor.

Hier in dieser öden Heide
ist das Lager aufgebaut,
wo wir fern von jeder Freude
hinter Stacheldraht verstaut.

Wir sind die Moorsoldaten etc

Morgens ziehen die Kolonnen
in das Moor zur Arbeit hin.
Graben bei dem Brand der Sonne,
doch zur Heimat steht der Sinn.

Wir sind die Moorsoldaten etc

Heimwärts, heimwärts jeder sehnet,
zu den Eltern, Weib und Kind.
Manche Brust ein Seufzer dehnet,
weil wir hier gefangen sind.

Wir sind die Moorsoldaten etc

Auf und nieder geh´n die Posten,
keiner, keiner kann hindurch.
Flucht wird nur das Leben kosten,
vierfach ist umzäunt die Burg.

Wir sind die Moorsoldaten etc

Doch für uns gibt es kein Klagen,
ewig kann nicht Winter sein,
einmal werden froh wir sagen:
Heimat du bist wieder mein.

Dann zieh´n die Moorsoldaten
nicht mehr mit dem Spaten ins Moor.
Dann zieh´n die Moorsoldaten
nicht mehr mit dem Spaten ins Moor


 

INES_RAS0165

„Seid offen und nutzt jede Gelegenheit um neue Erfahrungen zu sammeln“ – Interview mit Willy Biketow über sein Praktikum in Russland

Zusammen mit dem Projekt ELLI „Exzellentes Lehren und Lernen in den Ingenieurwissenschaften“ an der Ruhr-Universität Bochum hat die Deutsch-Russische Akademie Ruhr eis interessantes Gespräch mit Willy Biketow, dem Maschinenbaustudent, geführt. Willy hat uns über seine Erfahrungen mit Russland erzählt.

ELLI_Logoneu

Was verbindest du persönlich mit Russland und Deutschland?

Ich selber habe russische Wurzeln und bin in einem kleinen Dorf in der Altai Region in Russland geboren. Mit Russland assoziiere ich eine interessante Kultur und Politik.

Es ist immer wieder interessant, sich an die Zeit und unser Leben in Russland zurück zu erinnern. Wir hatten einen großen Garten indem man alles gefunden hat was man zum Leben braucht. Außerdem hatten wir noch Schweine, Hühner und Kühe. Alles was man nicht hatte konnte man mit dem Nachbarn tauschen. Hier in Deutschland kann man alles im Supermarkt kaufen, hier wissen die Leute nicht wie man ohne Supermärkte auskommt. Als ich für ein Auslandssemester in Russland war, ist gerade der Rubelkurs stark eingesunken und ich habe eine Kollegin gefragt, welche Auswirkungen das denn auf sie hat. Sie meinte, das passiert nicht zum ersten Mal, sie hätte sich daran gewöhnt und hätte Lebensmittel aus dem eigenen Garten und wisse wie man sich in schweren Zeiten auch selber versorgen kann. In Russland bringt man sogar den Kindern bei, wie man z.B. Kartoffeln richtig anbaut, damit sie sich in schwierigen Zeiten selbst helfen können.

Ich lebe fast mein ganzes Leben in Deutschland, als ich 3 Jahre alt war ist meine Familie nach Deutschland gezogen. Jetzt studiere und arbeite ich hier erfolgreich. In Zukunft möchte ich gerne in meinem beruflichen Werdegang Deutschland und Russland verbinden.

Ein Teil unserer Familie ist in Russland geblieben. Nach unserem Umzug  sind wir einmal im Jahr zu Besuch gekommen, jetzt leider seltener. Außerdem habe ich ein Praktikum im Rahmen des Stipendien Programms „Russland in der Praxis“ bzw. „Doing Businnes in Russia“ absolviert. Während des Praktikums habe ich in dem Motorenwerk bei Volkswagen in Kaluga gearbeitet.

Also du hast schon eine Vorstellung von Russland…Deswegen möchte ich dich Fragen, welche Unterschiede hast du zwischen Deutschland und Russland bemerkt?

Während des Praktikums habe ich unteranderem die Projektaufgabe bekommen zu beobachten wie sich die Arbeitsmotivation zwischen den Deutschen und Russen unterscheidet. Wir haben bemerkt, dass man die Mitarbeiter in Russland besser motivieren kann, indem man ihnen eher materielle bzw. finanzielle Dinge anbietet. Ebenfalls kann man sie motivieren, indem man sie in Gruppen arbeiten lässt, da sie ein großes Gemeinschaftsgefühl haben. Die Menschen in Deutschland lassen sich eher mit sozialen Aspekten wie Fortbildungsmöglichkeiten, Versicherungen etc. motivieren. In Russland arbeiten die Menschen gemeinschaftlicher, in Deutschland spürt man eher eine Distanz zwischen den Mitarbeitern.

Was meinst du, was können Deutsche und Russen voneinander lernen?

Es wäre gut, wenn die Deutschen von den Russen lernen, gemeinschaftlicher zu arbeiten. Russen  hingegen könnten die gute Arbeitsorganisation von den Deutschen übernehmen. In Russland ist es nicht immer klar, wer für welche Aufgabe zuständig ist, in Deutschland gibt es eine klare Arbeitsstruktur.

Soviel ich weiß, hast du sogar geschafft auf einer Führungsposition zu arbeiten?

Während meines Praktikums hatte ich zwei große Erfolgserlebnisse. Das erste war, dass ich nach dem erfolgreichen erfüllen einer Aufgabe meine eigenen Schulungen zu dem bearbeiteten Thema halten konnte und ca. 40-60 Mitarbeiter am Ende geschult habe. Das zweite große Erlebnis war, dass ich für 2-3 Wochen die Leitung eines Trainingscenters für Motoren übernommen und dieses zusammen mit den Mitarbeitern aufgebaut und gestaltet habe.

Wo hast du das selbst gelernt?

Ich habe dieses Praktikum nach dem 2. Semester meines Maschinenbaustudiums gemacht, d.h. dass ich schon einige Basiskenntnisse hatte. Praxiserfahrungen habe ich dann erst im VW-Werk in Kaluga gesammelt. Zuerst habe ich einfache Aufgaben bekommen. Wenn ich diese erledigt habe, hatte ich nach schwierigeren und anspruchsvolleren Aufgaben gefragt. Dadurch habe ich  viele neue Erfahrung gesammelt und durfte sogar Tätigkeiten mit Personalverantwortung übernehmen.

Kaluga ist eher eine Provinzstadt. Welche Unterschiede zwischen Kaluga und Moskau hast du gemerkt?

Natürlich leben Menschen in Kaluga anders als in Moskau. In Moskau denken die Menschen in erster Linie an Geld und das Geschäft, das Lebenstempo ist sehr schnell. In Kaluga ist das Leben ruhiger, dort ist mir eine große Spalte zwischen Arm und Reich sofort aufgefallen.

Beziehungen zwischen Deutschland und Russland entwickeln sich heute rasch aber nicht immer positiv. Was meinst du, wie werden Beziehungen zwischen Deutschland und Russland in 5-10 Jahren sein in der Politik sowie auch auf gesellschaftlicher Ebene?

Ja, heutzutage ist die Situation eher schlecht. Ich meine aber, dass es in einigen Jahren wieder besser wird. Ich denke, Putin lässt sich nicht von Sanktionen einschüchtern, er ist in erster Linie mit der Politik Russlands beschäftigt. Und wenn Deutschland bzw. Europa sehen, dass Putin keine Ambitionen hat, sich in europäische oder deutsche Politik einzumischen, werden sie verstehen, dass Russland für Deutschland ein wichtiger Partner ist, dann werden die Beziehungen wieder freundlicher. Russland ist reich an Ressourcen sowie an Kultur und kann meiner Meinung nach auch selbstständig überstehen.

Woher hast du das Interesse für die russische Sprache? Haben deine Eltern dich gezwungen, Russisch zu sprechen?

Ich rede sowohl Deutsch als auch Russisch Zuhause, daher beherrsche ich die Sprache. Leider beherrsche ich die Grammatik nicht perfekt, aber spreche dennoch fließend. Als ich in Russland mit diesem Programm war,  habe ich mein Russisch stark verbessert. Mein Interesse für Russisch ist sogar gestiegen, weil die Sprache mir die Möglichkeit gibt in und mit Russland zu arbeiten.

Ich habe dort auch an einem Forum im Park „Ethnomir“ teilgenommen, der sich auch in der Region Kaluga befindet. Das Forum hieß „Interkulturelle Diplomatie im 21. Jahrhundert“. Zusammen mit anderen jungen Leuten aus Russland, Deutschland, Kirgisien, Tadschikistan und anderen Ländern haben wir Seminare besucht. Das Ziel der Seminare war die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen unseren Kulturen zu finden. Abschließend mussten wir ein Projekt präsentieren. Meine Gruppe hat ein Projekt zum Thema „Flüchtlinge“ vorbereitet. So habe ich auch gelernt auf Russisch zu präsentieren.

INES_RAS0165 INES_RAS0233 INES_RAS0164

 

Kannst du dir vorstellen nach Russland zu ziehen?

Natürlich habe ich darüber nachgedacht. Ich könnte mir vorstellen dort einige Jahre zu arbeiten und zu leben wenn ich eine gute Stelle bekommen würde. Ich habe mich aber an Deutschland und seine Kultur gewöhnt weshalb es vielleicht noch schwer wäre. In Russland hat mich die Bürokratie sehr gestört, es war sehr schwierig Probleme mit verschiedenen Dokumenten zu lösen.

Aber ich hatte keine Angst, durch Russland zu reisen. Es war interessant für mich mit dem Zug durch Russland zu fahren…ich habe Voronezh, Sankt-Petersburg und Moskau besucht. Überall war es sehr schön, die Menschen sind überall unterschiedlich aber nett. Ich würde gerne noch mehr von Russland sehen, eine Reise mit der transsibirischen Eisenbahn wäre z.B. eine super Idee.

Und kannst du dir vorstellen mit Russen zu arbeiten?         

Ja, ich habe schnell gelernt mit den Menschen in Russland und ihren Besonderheiten zu Recht zu kommen und zu arbeiten. Ich habe auch erst sehr gestaunt, als ich gehört habe, dass man Geschäftstermine sogar in einer russischen Sauna bei lockerer Atmosphäre abhält.

Einige Praktikanten, die an diesem Programm teilgenommen haben, wollten danach auch in Russland weiter arbeiten, anderen hat es eher weniger gefallen.  Vor meiner Reise nach Russland wurde ich auch gefragt, ob ich denn Angst habe nach Russland zu gehen, weil sich gerade zu dieser Zeit die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland verschlechtert haben und Sanktionen eingeführt wurden. Ich habe geantwortet, dass ich Respekt, aber keine Angst davor habe. Ich meine, Moskau ist wie Berlin, in jeder Großstadt müsste man vorsichtig sein. Auf jeden Fall habe ich meine Entscheidung, nach Russland zu gehen nicht geändert.

Weitere Interessante Details unter:

https://goeast.daad.de/imperia/md/content/goout/russlandinderpraxis/erfahrungsbericht_-_wilhelm_biketow.pdf


РУССКАЯ ВЕРСИЯ  RUSSISCHE VERSION

Что тебя лично  связывает с Россией и Германией?

Я родился в России в Сибири, в маленькой деревне на Алтае, мои родители родом из России. С Россией я ассоциирую также интересную культуру, политику.

Интересно вспомнить, как мы жили в России. У нас был огород, было все, что нам нужно: свиньи, куры. Если у нас было молоко, а у соседей мед, то мы могли поменяться. Тут можно все найти в супермаркете. Тут люди даже не знают, как прожить без всего этого. Когда я был в России, как раз упал курс рубля. Я спросил одну коллегу, как это повлияло. Она сказала, что падение курса уже не в первый раз, они к этому привыкли. Продукты у них из собственного огорода. В России даже детей учат, как сажать картошку, например, чтобы они в трудных ситуациях могли сами себе помочь.

В Германии я живу почти всю жизнь. Когда мне было 3 года, моя семья переехала в Германию. Сейчас я учусь и работаю здесь в Германии. В будущем я бы хотел в своей работе, в профессии связать Россию и Германию.

Часть семьи осталась в России. Несколько раз мы ездили их навещать, раньше каждый год, теперь уже на так часто. Еще я ездил в Россию на стажировку по программе «Russland in Praxis“ и «Doing Business in Russia“, которые поддерживаются DAAD. В рамках этой программя работал на заводе Volkswagen в Калуге. Сама программа осуществляется в Калуге, в Москве и Санкт-Петербурге.

То есть у тебя уже есть представление о России…Поэтому я хотела бы тебя спросить, какие различия ты заметил между Россией и Германией?

Когда я был на практике, мне дали задание наблюдать, как различается мотивация к работе в русском и немецком коллективе. И мы заметли, чтобы мотивировать работников в России, им в первую очередь нужно предложить большее денежное вознаграждение. Также мотивация повышается, если сотрудники работают в группе. В Германии сотрудников можно привлечь тем, если предоставить им возможности для повышения квалификации или какие-то социальные преимущества. В России люди работают дружнее, в Германии же между сотрудниками существует дистанция.

Как ты думаешь, чему могут научиться немцы и русские друг у друга?

Было бы хорошо, если бы немцы у русских научились дружнее работать. Русские люди могли бы позаимствовать хорошую организацию работы. В России не всегда было понятно, кто какое задание выполняет, в Германии же есть структура в работе.

Насколько я знаю, ты успел даже на руководящей должности поработать?

Cначала я был только практикантом, но скоро я получил повышение и мог проводить даже мастер-классы для 40-60 человек. 2-3 недели я был на руководящей должности в центре подготовки сотрудников, где они учились собирать мотор, там я руководил другими сотрудниками.

Где ты сам всему этому научился?

На практику в Россию я поехал после втрого семестра машиностроения, т.е. у меня уже были базовые знания в машиностроении. Практику я наработал уже там на заводе в Калуге. Сначала я получал небольшие, легкие задания. Когда я с ними справился, я просил задания посерьезнее. И благодаря этому я получил опыт и даже смог попробовать руководить другими сотрудниками.

Калуга – это скорее провинциальный город. Какие отличия ты заметил в сравнении с Москвой?

Конечно, же люди в Калуге живут по-другому нежели в Москве. В Москве люди думают в первую очередь о деньгах, о бизнесе, темп жизни очень быстрый. В Калуге жизнь поспокойнее. Еще мне в Калуге бросился в глаза большой разрыв между бедными и богатыми.

Сегодня отношения между Россией и Германией развиваются бурно, но не всегда благоприятно. Как ты думаешь, какими отношения будут через 5-10 лет, как в политике, так и на общественном уровне между двумя странами?

Да, на сегодняшний день ситуация скорее неблагоприятная. Но как мне кажется, через несколько лет будет лучше. Я думаю, Путину все равно, что происходит здесь в Германии, он занят в первую очередь политикой в России. И если Германия и Европа увидит, что у Путина нет амбиций вмешиваться  в европейскую или немецкую политику, если они поймут, что Россия нужна Европе, даже больше чем Европа России, то Россия и Германия будут дружнее жить друг с другом. Россия нужна Европе, потому что это богатая страна, как богатая ресурсами, так и культурно богатая.

Откуда у тебя появился интерес к русскому языку?  Родители заставляли тебя говорить по-русски?

Дома с папой я разговоривал в основном по-русски. Конечно, у меня была не очень хорошая грамматика. Но когда я поехал в Россию по этой программе, то я улучшил свой русский. Мой интерес к русскому языку даже повысился, потому что язык дает мне возможность работать в России или с Россией.

Еще я побывал на форуме в парке «Этномир», который также находится в Калужской области. Форум назывался «Этнокультурная дипломатия в 21 веке» . Вместе с другими молодыми людьми из России, Гемании, Киргизии, Таджикистана и других стран мы посещали семинары. Цель семинаров была понять разницу и общность наших культур. По завершении форума у нас была заключительная презентация,  на которой нам нужно было представить свой проект. У моей группы был проект, связанный с беженцами. Так я научился выступать с презентацией на русском языке.

Можешь ли ты себе представить переехать в Россию?

Конечно же, я думал об этом. Я бы согласился там поработать несколько лет. На всю жизнь, пожалуй, нет.  Я все-таки привык жить в Германии, привык к ее культуре.  В России мне очень мешала бюрократия, было очень сложно решать вопросы  с документами.

Но я не боялся путешествовать по России. Мне было интересно ехать на поезде по стране…я посетил также Воронеж, Санкт-Петерсбург, Москву. Везде красиво, везде разные люди. Я бы хотел еще больше увидеть Россию, например, совершить путешествие по трассибирской магистрали.

А можешь ли ты себе представить работать в будущем с русскими?

Да. Я быстро познакомился с другими работниками, с их корпоративной культурой, с особенностями общения. Хотя, конечно, для немцев сначала было непонятно и странно, что какие-то деловые встречи проводятся иногда в бане или с шашлыками.

Немногие практиканты, которые подавали заявление на эту программу, хотели работать в России, многие боялись. Меня тоже спрашивали, не боюсь ли я, потому что как раз в это время началось осложнение отношений между Германией и Россией, были введены санкции. Но я сказал, что я уважаю эту страну. Я думаю, что Москва как Берлин, и в любом крупном городе нужно быть осторожным. Но в любом случае я не изменил своего решения поехать в Россию.


 

2016: Project Sixty nimmt richtig Fahrt auf – von Çarsamba/Samsun in der Türkei nach Rostow am Don in Russland – das richtige Terrain für Asphalt Junkies

Spannung, positive Aufregung war zu spüren als wir uns dieses Jahr auf Tour begaben. Über die Türkei hatten wir, nach 2 Jahren Erfahrungen konkrete Vorstellungen, was uns erwarten würde. Wir wurden nicht enttäuscht. Gute Straßen an der Schwarzmeerküste, eine traumhafte Passage abseits der D-010, viele nette Begegnungen auf der Straße, in Cafés, Restaurants und Hotels bestätigten unser positives Bild von der Türkei. Ganz toll war natürlich die Situation, dass wir am 19. Mai unterwegs waren.  In der Türkei ist das der Feiertag der Jugend, des Sports und an das Gedenken an Atatürk, speziell an Atatürks Ankunft in Samsun 1919, und Beginn des Befreiungskrieges. Die Festivitäten waren unübersehbar und wir sozusagen mitten drin.

Beim Weiterflug von Trabzon über Istanbul nach Sotchi kam dann Nervosität auf. In Istanbul beim „International Check-In“ für Sotchi erfuhren wir, dass der Flug gecancelt war. Super, und was nun? Zuerst einmal ging es in ein tolles Hotel und wir hatten Zeit für Sightseeing in Istanbul am nächsten Tag. Wären wir nicht hartnäckig geblieben, wären wir auch sonntags nicht weitergekommen, denn unsere Abholung abends im Hotel war auf 22 Uhr terminiert. Auf unserer Bordkante war die Abflugzeit mit 22 Uhr 40 angegeben. Hier konnte was nicht stimmen. Nach Abklärung mit Türkisch Airlines wurden wir dann um 19 Uhr abgeholt und kamen mitten in der Nacht in Sotchi an. Jetzt konnte das Abenteuer Russland beginnen. Mit Sotchi, der russischen Riviera am Schwarzen Meer, dem Kaukasus und den 2 Fahrtagen in der Region Krasnodar erlebten wir tolle Tage, voller Erlebnisse. Zusammengefasst kann man sagen, wir trafen sehr viele freundliche und hilfsbereite Menschen, die in der Regel erstaunt waren, dass 2 Deutsche sich aufmachen, in Russland Fahrrad zu fahren. Wie in der Türkei, waren wir auch in Russland die Exoten, was wir aber auch genossen. Ein Novum auf unseren bisherigen Touren, stellte die Einladung unserer Gastgeberin in Pavlovskiy Rayon, zur kostenlosen Übernachtung dar. Ein großes Dankeschön nochmal. Durch den Verlust eines Fahrtages mussten wir in Russland die Strecke modifizieren und auch mal richtig reintreten, um dann doch wie ursprünglich geplant „Rostow am Don“ zu erreichen. Die Erleichterung war schon groß als wir es dann geschafft hatten. Ein besonderer Dank, wie immer, an meinen Mitstreiter Joachim, der auch in diesem Jahr nicht nur die Technik voll im Griff hatte.

Und wie das nun mal so ist nach so einer Tour, wir freuen uns schon auf das nächste Abenteuer in 2017, wenn wir dann die letzte Teilstrecke des „Projektes Sixty“ in Angriff nehmen.

Von Rostow am Don über Wolgograd nach Moskau.

Autor: Alois Weber

IMG_3362IMG_3468IMG_3642IMG_3677

Zu Gast im eigenen Land

19-26.Mai war ich im Namen der Deutsch-Russischen Akademie Ruhr auf einer Dienstreise nach Pjatigorsk. Wir haben einige Ideen für die Kooperation mit der Universität Pjatigorsk besprochen. Ich möchte aber diesmal keinen formellen Bericht schreiben, sondern meine Eindrücke und Gefühle von dieser Reise mit Ihnen teilen.

Die Stadt Minaralnyje Wody begrüßte uns mit dem angenehmen und warmen Wind als wir aus dem Flugzeug ausgestiegen sind. Die Wärme und Gastfreundlickeit habe ich sofort am Flughafen gespürt. Ich musste mich gegen aufdringlichen Taxifahrer wehren und sagte 20 Mal „Danke, wir werden abgeholt“.

– Die, die euch abholen, müssen lieber zu Hause bleiben! Ich fahre euch wohin ihr wollt!

Nein, das ist keine Aufdringlichkeit, das ist die Gastfreudigkeit, wie ich später verstanden habe.

Am nächsten Morgen, gingen wir auf den kaputten Bürgersteigen zur Universität. (Kaputte Straßen sind leider ein unabdingbares Merkmal russischer Provinzstädte. Einige Meter vor dem Eingang in die Universität zog eine Studentin flache bequeme Schuhe aus und schöne Schuhe mit hohen Absätzen an. Zuerst habe ich heimlich gelacht, dann aber mich bei der Erinnerung ertappt, dass als ich in Russland in die Schule und später in die Universität ging,  ich es genauso gemacht habe. Wenn man in die Uni geht, lässt man sich in der Öffentlichkeit sehen, deswegen muss man schön, attraktiv und gepflegt sein. Bequeme Pullis, Jeans und Sneakers, die in Deutschland zum Dresscode der Studenten gehören, sind dort nur bei Studenten der Sportfakultät vorstellbar.

Ehrlich gesagt, habe ich mir  manche Sachen aus Russland abgewöhnt, also musste ich meine Heimat neu kennenlernen. Viele Sachen waren für mich neu, aber besser gesagt war das alles das längst vergessene Alte: so wie Menschen in Russland sprechen, so wie sie reden und verhandeln. Nein, ich habe dabei keine kritischen Anmerkungen gemacht „in Deutschland ist aber anders“. Ich habe mich aber immer bei dem Gedanken ertappt „Ja, in Russland ist es anders als in Deutschland, ich habe das einfach vergessen, ich muss mich wieder daran gewöhnen“. Ich bin froh, dass ich beide Kulturen kenne und beide Mentalitäten verstehe. Diese Reise nach Pjatigosrk, wohin ich mein Gepäck mit den Kenntnissen über Deutschland mitgenommen habe, hat mit geholfen, meine Heimat aus neuer Perspektive zu betrachten. Auf dem Rückweg wurde mein Gepäck noch schwerer, weil ich drin neue Eindrücke von Russland hatte.

Russland ist ein Land der Kontraste. Die Bedienung in manchen öffentlichen Einrichtungen (Bank, öffentlicher Verkehr) lässt  viel zu wünschen übrig. Aber sobald Menschen in Russland dich persönlich kennen, dann werden sie alles Mögliche tun, damit der Gast zufrieden bleibt. Die Dozentin Natalia, die uns eingeladen hat, hat viel Zeit und Kraft geopfert, um uns die schönsten Orte in der Umgebung zu zeigen: Berge, Mineralwasserquellen, Parks.

Und noch ein Kontrast: die Auswahl der Speisen in der Mensa der Universität und im Hotel war nicht so groß, aber während des Abendessens bei dem Dekan bog sich die Tafel unter den Speisen und unsere Gläser waren nie leer. Bei den russischen und besonders bei den kaukasischen Festen ist es wichtig, das Gefühl der Zusammengehörigkeit bei den Gästen zu erzeugen, deswegen hat man einen Tamada (Moderator, Entertainer) gewählt.  Er hat jedem das Wort gegeben und jeder musste eine feierliche Rede halten. Es ist nicht so wie bei den deutschen WG-Partys, wenn alle sich in kleinen Gruppen unterhalten und manchmal keine Ahnung von anderen Gästen und dem Anlass für die Party haben.

Nach paar leckeren russischen und kaukasischen Speisen fühlte ich mich fast wie zu Hause. Warum „fast“? Ich habe bemerkt, dass das Leben im Süden Russlands sich von dem Leben im Norden wo ich herkomme unterscheidet. Hier und da kann man in Pjatigorsk  Autos mit lauter kaukasischer oder orientalischer Musik hören. Das kam mir zuerst merkwürdig vor. Aber vielleicht wollen Menschen auf solche Weise zeigen, dass ihre Seele jubelt und wollen ihre Freude mit anderen teilen. Im Norden sind Menschen in diesem Sinne zurückhaltender.

Diese Woche war sehr spannend und reich an Ereignissen. Und wenn ich Fazit ziehe, kann ich sagen, dass ich mich dort sehr wohl gefühlt habe. Gastfreundlichkeit, Aufgeschlossenheit und Dankbarkeit – das muss man den Menschen in Russland lassen. Dank dem kaukasischen Lokalkolorit hat Pjatigorsk  bunte, vielfältige, wie  kaukasische Tänze, Eindrücke und Gefühle bei mir hinterlassen.

В гостях на Родине

С 19 по 26 апреля я побывала в командировке в Пятигорске. Вице-президент Auslandsgesellschaft в Дортмунде Эрих Фритц подготовил семинар для студентов и преподавателей кафедры немецкого, выступил с докладом на конференции на тему изменений языка в 21 веке. Я выступила в качестве переводчика и ассистента. Однако мне бы хотелось поделиться не этой официальной информацией, а моими личными впечатлениями от поездки на Родину, где я уже не была относительно долгое время.

При выходе из аэропорта Минеральных вод нас встречал теплый, приятный ветер. Теплоту и радушие приема мы почувствовали сразу, даже еще не выйдя из аэропорта. Отбиваясь от назойливых таксистов, мне раз 20 пришлось повторить «Спасибо, нас встречают».

– Пусть те, кто вас встречают, дома остаются! Я довезу вас, куда надо!

Нет, это не назойливость, это кавказское гостеприимство, как я позже поняла.

Осторожно выбирая путь по разбитым тротуарам, мы на следующее утро шли к Пятигорскому университету. (Разбитые тротуары или их отсутствие – это неотъемлемая черта российских провинциальных городов). В нескольких метрах от входа в университет одна студентка переобувала удобную обувь на выскокие каблуки. Сначала я посмеялась про себя, но потом вспомнила, что и сама так делала, когда училась в школе и унивеситете в России. Идя в университет, ты выходишь в свет, поэтому нужно быть красивой и привлекательной. Удобные толстовки, джинсы и кеды, которые являются в Германии дресскодом студента, простительны только студентам соседнего физкультурного факультета.

Если честно, я отвыкла от многих вещей в России, так что мне снова пришлось знакомиться с моей Родиной. Многое мне показалось новым, а лучше сказать, хорошо забытым старым: то, как люди в России общаются, говорят, ведут переговоры. Нет, я не делала при этом критические замечания типа «а вот в Германии по-другому», скорее, я ловила себя на мысли: «Да, в России это иначе, чем в Германии, я просто забыла, надо снова привыкать». Я рада, что я знаю две культуры, могу понять оба менталитета. Эта поездка в Пятигорск, куда я привезла с собой багаж знаний о немецкой культуре, помогла мне по-иному посмотреть на Россию и узнать мою Родину с другой стороны. По дороге обратно мой багаж стал еще тяжелее, так как обратно я везла новые впечатления из России.

Россия – страна контрастов.  Во многих учреждениях обслуживание оставляет желать лучшего. Однако в личном общении люди в России сделают все возможное, чтобы гости остались довольны. Пригласившая нас преподавательница немецкого  Наталья не жалела личного времени и сил, чтобы показать красоты региона: горы, минеральные источники, парки.

А вот еще один контраст: выбор блюд в университетской столовой и в гостинице был не очень богат, зато в ходе приема у декана стол ломился от всевозможныз яств и вино в бокалах не кончалось. При русском, а особенно кавказском застолье важно создать общности между гостями, поэтому был выбран тамада, всем было предоставлено слово и никто не увильнул от обязанности произнести тост. Это не то что немецкая студенческая вечеринка, где все делятся на маленькие группы, не особо интересуясь другими собравшимися и поводом для праздника.

После пары тарелок вкуснейших блюд русской и кавказской кухни я наконец почувствовала себя почти как дома. Почему «почти»?  Я заметила, что жизнь на юге России все-таки немного отличается от жизни на севере, откуда я родом. В Пятигорске тут и там из машин раздавались кавказские или другие восточные мелодии. Поначалу это мне было не совсем понятно. Но может быть, у людей сердце поет и таким образом они хотят, чтобы об этом знали все вокруг…На севере люди в этом плане более сдержанные.

Если подвести итог этой насыщенной и богатой впечатлениями неделе в Пятигорске, то я могу сказать, что я чувствовала себя там очень хорошо. Гостеприимство, открытость, благодарность – этого у людей в России не отнять. Благодаря колориту Кавказа, у меня остались яркие, разнообразные, бурные, словно кавказский танец лезгинка, чувства и воспоминания о Пятигорске.

IMG_0879

IMG_0866

Wie gefährlich ist der Russe?

Gedanken nach meiner Russland-Reise

Die politischen Ereignisse der letzten Jahre und festgefahrene Vorurteile machen es heute schwierig sich einer solchen Frage zu stellen. Viele Missverständnisse und einseitige, distanzierte Betrachtung führen zu einem verzerrten Bild dieser Nation bei den Europäern. Wobei ich mich schon am Anfang korrigieren muss. Denn Russland ist, wie viele außer Acht lassen, ein Vielvölkerstaat, der vielen slawischen, orientalischen, kaukasischen Ethnien, sowie indigenen Völkern Sibiriens und vielen anderen als Heimat dient. Natürlich bilden die ethnischen Russen den größten Anteil der Bevölkerung, doch die Erwähnung der anderen Russländer, wie die Menschen in Russland ungeachtet ihrer Ethnie genannt werden, ist sehr wichtig. Auf Grund der Größe des Landes und seiner turbulenten Geschichte musste man lernen miteinander zu leben, unterschiedliche Kulturen zu respektieren und so kam es natürlich zu vielen Vermischungen innerhalb der bunten Bevölkerung. Der Einfachheit halber werde ich im Folgenden trotzdem von „den Russen“ sprechen.

Ich selbst wurde lange von den unterschiedlichsten Vorurteilen zu diesem Land und seiner Bevölkerung geplagt. Man hört, dass Russen sich im Urlaub schlecht benehmen. Sie wirken aggressiv auf manche von uns. Es wird häufig behauptet, dass in Russland Menschenrechte missachtet werden und sie keine Toleranz kennen. Zuletzt war die Rede von imperialen Ambitionen, die einigen unter uns Angst machen. Und natürlich assoziieren die meisten eines mit dem Land, Wodka. Nicht zuletzt sagen aber auch viele, dass die Russen gastfreundlich, großherzig und gutmütig sind.

Um den Versuch zu unternehmen zumindest einige Vorurteile auszuräumen, habe ich beschlossen eigene Erfahrungen zu sammeln und drei Städte dieses geheimnisvollen Landes zu besuchen, um ein von regionalen Eigenheiten möglichst wenig verzehrtes Bild zu bekommen. Dabei habe ich mit Menschen gesprochen und habe meine Beobachtungen in einen sozialen, politischen und historischen Kontext gebracht.

Was mich zuerst absolut überrascht hat und den ersten Stereotyp zerstört, ist dass die Menschen im öffentlichen Leben untereinander unheimlich freundlich und hilfsbereit sind. Ich sage damit nicht, dass beispielsweise Deutsche unfreundlich sind, aber so einen Umgang fremder Menschen untereinander habe ich nach all den Russengeschichten und dem Alltag in Deutschland einfach nicht erwartet.

Ich hörte vor meiner Reise viel davon, dass ich besonders aufpassen muss, denn dieses Land ist oft unberechenbar und man könne schnell in Schwierigkeiten geraten. Mit besonderer Vorsicht bewegte ich mich durch die Straßen und war stets Aufmerksam, was ja grundsätzlich nicht verkehrt ist, aber ein mulmiges Gefühl in etwas unbekanntes geraten zu sein und nicht genau zu wissen, was einen erwarten kann war zunächst unangenehm.

Glücklicherweise hatte ich eine bezaubernde ortskundige Begleitung. Ihr ist mein anfängliches Unbehagen auch aufgefallen. Doch es löste sich ziemlich schnell, während ich auf meiner Reise gewissermaßen mit der russischen Bevölkerung verschmolz. Wobei eines muss ich bestätigen. Der Verkehr in russischen Großstädten ist, wenn auch nicht chaotisch, aber wesentlich dynamischer und turbulenter, als ich es gewohnt bin. Man schaut lieber zweimal hin, besonders gefährlich ist es dennoch nicht.

Meine Begleiterin war für meine Untersuchung insofern ein wahrer Glücksfall, da es eine gebildete junge Frau war mit einem ebenso akademischen Freundeskreis, den ich auch teilweise kennenlernen durfte. Zudem ist sie sehr traditionsbewusst, wie viele Russen, gemäßigt gläubig und eine Patriotin. Was Sie aber noch besonders interessant macht, ist dass sie Halb-Georgierin ist. Wegen der schwierigen politischen Situation zwischen Russland und Georgien war ich sehr auf ihre Argumentation im Bezug auf ihre Beziehung zu Russland gespannt.

Um ein gewisses Verständnis für das Handeln der russischen Regierung zu entwickeln und Dinge, die wir häufig kritisieren aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, ist es wichtig sich ein wenig mit der Kultur und Mentalität vertraut zu machen.

Das russische Traditionsbewusstsein ist ein zentraler Punkt in der Charakteristik der Nation. Dieses ruht auf christlich-orthodoxen Werten. Dabei geht es nicht darum, streng religiös die Bräuche zu befolgen, sondern eher um den Umgang miteinander und den Respekt gegenüber seinen Mitmenschen, wie es die Bibel vornehmlich im neuen Testament mit den Lehren Christi vorgibt. Andere Religionen werden dort aber auch gleichwertig ausgelebt.

Durch die sowjetische Vergangenheit wurde die Religiosität systembedingt getilgt, doch sie lebte hinter verschlossenen Türen in der Bevölkerung weiter. Nach dem Ende der Sowjetära erlebte aber der russisch-orthodoxe Glaube eine Renaissance und wird mit den sozialen Aspekten der vergangenen Ideologie offen gelebt.

Werte wie eine traditionelle Familie sind den Russen besonders wichtig, nicht zuletzt wegen der schwierigen demografischen Lage. Insbesondere die russischen Frauen legen Wert auf eine intakte Familie. Leider sieht es in der Praxis oft wesentlich schlechter aus. Die Zahl der alleinerziehenden Frauen ist in Russland sehr hoch. Offenbar mangelt es vielen Männern an Verantwortungsbewusstsein. Die Ursache dafür könnte die ungleiche Verteilung von Männern und Frauen sein, die zum Nachteil der weiblichen Bevölkerung ausfällt und manche Männer vielleicht mit der Vielzahl an Möglichkeiten nicht zurechtkommen. Doch das ist nur meine persönliche Vermutung.

Es wird viel mehr ein Unterschied zwischen Mann und Frau gemacht, was ein zentraler Punkt der Anschauung ist. Frauen sind selbstverständlich vor dem Recht genauso gleichgestellt, wie Männer und haben die gleichen Möglichkeiten in Bildung und Beruf. Doch dieses Unterscheiden geschieht auf zwischenmenschlicher Ebene, was in Europa immer mehr zurückgeht. Eine russische Frau ist sehr erfreut über banale Hilfen im Alltag, wie das Tragen einer Tasche oder das abendliche Begleiten bis vor die Haustür und erwartet dies auch häufig. Während in Deutschland manch eine Frau das als Aberkennung ihrer Selbstständigkeit bewerten würde, ist das in Russland selbstverständlich. Es wird einfach kein Versuch unternommen gleich zu sein. Männer und Frauen haben gewisse geschlechtsspezifische Domänen und diese werden gelebt und geschätzt. Sich der Weiblichkeit bewusst zu sein, ist für eine Russin kein Zeichen von Schwäche, sondern ihre Natur, die sie anerkennt und gewisse daraus entstehenden Vorzüge genießt. Während die Männer in gewissen Situationen das Gefühl genießen können gebraucht und geschätzt zu werden, auf diese traditionelle Art.

Von den Männern wird allgemein erwartet wehrfähig zu sein. Dazu zählt es die Dame, die er begleitet beschützen zu können, sowie seine Familie und Heimat. Das folgt unter anderem aus der schwierigen Geschichte des Landes, das häufig massiven Angriffen von außerhalb ausgesetzt worden ist. Das erklärt den Drang Russlands eine funktionierende Verteidigung seiner Grenzen zu gewährleisten. Was uns manchmal als Militarismus erscheint, ist nur die Lehre aus der eigenen Geschichte und gilt nicht als Bedrohung für irgendwen, denn Russland führte so gut wie nie Eroberungskriege, im Gegensatz zu vielen westlichen Staaten.

Der russische Patriotismus spielt eine wichtige Rolle für das Verständnis des Volkes und ist keineswegs mit irgendeiner Form von Nationalismus zu verwechseln. Es geht nicht darum sich als ausschließliche oder beste Nation auszuzeichnen und auf andere herabzublicken. Vielmehr ist der Russe stolz auf die Errungenschaften seiner Landsleute und zollt ihnen Respekt. Es gilt, „kenne die Geschichte deines Landes, um es zu lieben“. Daher wird sehr viel Mühe darauf verwendet Andenken zu bewahren und Traditionen zu pflegen. In dem Land gibt es so viele Denkmäler zu Ehren von Wissenschaftlern, Schriftstellern, Dichtern oder Politikern, wie ich sonst nirgendwo gesehen habe.

Ich erinnere mich sehr gut daran, dass viele in diesem Jahr kein Verständnis dafür aufbringen konnten, dass in Moskau eine große Siegesparade zu Ehren des Sieges gegen Nazideutschland stattfand. Viele brachten das fälschlicherweise mit der politischen Situation bezüglich Krim und Ukraine in Zusammenhang. Dabei ist es eine jährliche Tradition und in diesem Jahr war es das 70. Jubiläum. Die Sowjetunion trug die Hauptlast des Krieges mit erschütternden Verlusten von etwa 27 Mio. Menschen. Man sagt auch, „jede Familie hat ihren Helden“, denn tatsächlich hat fast jede russische Familie jemanden in diesem schrecklichen Krieg verloren. Der Heldentaten, dieser Menschen nicht zu Gedenken und nicht zu mahnen, so etwas nicht nochmal geschehen zu lassen, wäre schlichtweg eine Beleidigung.

Es ist aber auch einfach die Liebe zum Land, unabhängig von Staat und Regierung. Nicht umsonst, sagt man „Mütterchen Russland“. Es ist die Erde, der Boden mit all seinen Schätzen und Schönheiten, der alle ernährt und dafür geschätzt wird.

Zuletzt möchte ich auf das Verhältnis der Russen zu ihrem Präsidenten eingehen. Egal, was man von Putin halten mag, die überwältigende Mehrheit des Volkes unterstützt ihren Regierungschef. Angesichts der katastrophalen Phase der neunziger Jahre muss man einfach anerkennen, dass seit Putins erster Amtszeit Russland sich gewaltig entwickelt hat. Auch die Ambitionen nach geopolitischen Einfluss will sich das flächenmäßig größte Land der Erde nicht mehr nehmen lassen, nachdem es lange Zeit nicht ernst genommen wurde. Wobei ich hier betonen möchte, dass Putin sich regelmäßig für eine Multipolare Welt ausspricht. Es soll kein geopolitisches Zentrum, wie zuletzt die USA mehr geben, sondern eine Welt mit mehreren gleichwertigen Einflussnehmern.

Doch zurück zum Verhältnis des Volkes zum Präsidenten. Oft wird er ja als der Zar bezeichnet. Gewissermaßen ist es auch so. Eine autoritäre, volksnahe Person, der man sein Vertrauen schenkt und an die man sich bei Missständen wendet ist auch in der russischen Geschichte verankert. Dieses Verhältnis zu Herrschern wird, zumindest in Ansätzen weiter so gelebt. Wobei es bemängelt wird, dass Putin zu wenig für die Innenpolitik tut. Und wenn „Väterchen Zar“ es nicht tut, wer dann?

Fazit:

Eine traditionelle, man könnte sagen, konservative Einstellung der Russen zur Familie und der Beziehung zwischen Mann und Frau ist eine auf christlichen Werten basierende Symbiose der Geschlechter, die nicht das Ziel haben eigenständig zu sein, sondern am besten gemeinsam funktionieren.

Der russische Patriotismus und der Wunsch nach Sicherheit ist eine Folge der Historie des Landes. Um das Land und Volk besser zu verstehen, sollte man sich mit seiner Geschichte befassen.

Während wir ständig von Toleranz sprechen und andere, die unserer Meinung nach nicht tolerant genug sind ermahnen, vergessen wir es offenbar, dass man es tolerieren sollte, dass die Russen eine Kultur haben, die sich etwas von unserer unterscheidet. Wobei mehr als nur Toleranz wünschenswert wäre.

Es liegt nicht in unserem Ermessen einem ganzen Volk vorzuschreiben, wie es sich zu verhalten hat, um glücklich zu sein.

Mit etwas mehr gegenseitigem Verständnis und Bereitschaft zum Dialog, finde ich wäre es einfacher miteinander Probleme zu lösen und die Welt zu gestalten. Immer mit dem nötigen Respekt vor der Kultur des Partners.

Autor: Andrej Bolgert


Wie immer stellt die Deutsch-Russische Akademie Ruhr den Freunden und Autoren der DRA diese Leitfragen. Hier ist ein kurzes Interview mit Andrej Bolgert

  • Was verbinden Sie persönlich mit Deutschland/Russland?
  • Da ich sowohl deutsche als auch russische Wurzeln habe, bin ich mit beiden Kulturen vertraut und versuche daher das Beste von beidem zu verinnerlichen. In der Sowjetunion geboren, in Kasachstan die Kindheit verbracht, in Deutschland – die Jugend. In der Russischen Föderation bin ich bisher nur zweimal gewesen.
  • Was glauben Sie, worin liegen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Deutschen und Russen?
  • Die Gemeinsamkeiten liegen meiner Ansicht nach in der reichhaltigen Kultur und Geschichte beider Völker, die sich sehr häufig überschnitt, leider nicht immer friedlich. Doch gemeinsame positive Erfahrungen gibt es nicht zu wenig. Die Unterschiede sehe ich in der geistigen Haltung. Während Deutsche meist sehr rational und berechnend sind, vertrauen Russen häufig der Intuition.
  • Welche Werte haben Sie geprägt?
  • Ich schätze sehr die deutsche Pünktlichkeit, akkurates Vorgehen und Fleiß. Aber auch die Großmütigkeit und Warmherzigkeit der „russischen Seele“.
  • Was schätzen Sie an Deutschland/Russland?
  • Da ich die Wirren der 90er Jahre im postsowjetischen Raum miterlebte, schätze ich die Ordnung in Deutschland.
  • Wie sehen Sie das Verhältnis von Deutschen und Russen in 5/10 Jahren?
  • Ich wünschte, es würde sich bessern. Doch die aktuellen Entwicklungen erwecken nicht allzu viel Hoffnung. Natürlich wird es immer viele gute persönliche Kontakte geben, doch auf Staatlicher Ebene… einfach mal abwarten. Zum Glück gibt es Menschen, die sich für die Verbesserung der Beziehungen einsetzen.
  • Ihre persönlichen Begegnungen mit Deutschen/Russen?
  • sind allgegenwärtig.
  • Welchen Autor/Filmemacher/Maler/bildenden Künstler aus dem anderen Land kennen Sie und warum gefällt er/sie Ihnen (nicht)?
  • Tschaikowski, Rachmaninoff. Klassik ist unsterblich.

 

Про Германию, Россию и…Сербию – интервью с Алексадаром Тосичем

Что ты связываешь с Россией, а что с Германией?

Начну с Германии. С Германией я прежде всего связываю технику, прогресс, высокие экономические достижения и белую баварскую колбасу. Сюда же относятся бесчисленные писатели, конечно же, немецкие железные дороги, а также пиво. Что же касается моих сверстников, то я могу сказать, что для молодежи в Германии типичен американизм. Люди придерживаются американского образа жизни даже в большей степени, чем они думают. Мы просто не задумываемся над этим.

Как ты думаешь, американизация усилилась в последние пару десятилетий?

Я родился в 1991 г. в Западной Германии. И тогда уже американизация присутствовала в нашей жизни. Когдя я сейчас по прошествии лет думаю об этом, то да, пожалуй, можно сказать, что американский стиль жизни усиливает свое влияние.

А что ты связываешь с Россией?

Возможно, Вы мне не поверите, но в первую очередь с Россией я связываю богатое природное многообразие. Не стоит рассматривать Россию всегда через призму стереотипов. Россия – огромная страна. Я посетил многие регионы в России, например, озеро Байкал. И я увидел, что Россия таит в себе огромное биологическое разнообразие. Мне вспоминаются сибирские ландшафты, березовые рощи, озеро Байкал, прекрасные горные ландшафты, долины, реки. Кроме того лакомства: пельмени, пряники. Так же, как и в отношении Германии – русские писатели. Есть еще один аспект – олигархи в России. Не то что бы олигархов нет нигде больше, но я думаю, для России это особенно характерно. Их чаще всего можно встретить в сферах добычи нефти и газа. Огромная разница в доходах между богатыми и бедными в России очень заметна. В России нет еще многочисленного среднего класса. Я думаю, он сегодня формируется, но этот процесс протекает не так легко.

А если говорить о людях, то в чем заключаются различия между немцами и русскими?

Я сам не на сто процентов немец. У меня сербские корни, мои родители сербы. Но я вырос в Германии. Когдя я нахожусь в Сербии , в новой культурной обстановке, я замечаю за собой, что у меня есть некоторые немецкие черты, которых у сербов нет.  Здесь в Германии повседневная жизнь имеет четкую структуру. Всё идет по плану. Люди планируют отпуск за полгода, в Сербии этого бы никто не стал делать. Структура, планомерность, пунктуальность, бюрократия – все должно быть в порядке. Каждый шаг твоей жизни должен быть задокументирован. Но это лишь одна сторона медали. С другой стороны, несмотря на всю их серьезнось немцы – жизнерадостные люди.

Что характерно для русских? Открытость прежде всего. Чрезвычайная гостеприимность. В Германии профессиональная сфера жизни и приватная четко отделены друг от друга. В России у меня было такое чувство, что одна сфера жизни проистекает из другой, они взаимосвязаны, поэтому у людей совсем другое отношение к жизни в целом. В Германии на работе я позиционирую себя иначе, чем в моей частной жизни. В таких странах как Россия существует определенная взаимозависимость. Какими я узнал людей в России в их профессиональной сфере, такие же они и вне работы – тут ты видишь некий континуум.

Как ты можешь описать твое общение с людьми из России?

Они интересуются всем, что ты делаешь. Они все выслушивают и спрашивают, что их интересует. В Германии люди размышляют, как лучше построить разговор, что сперва спросить, а что лучше вообще не спрашивать. В Германии очень важно, чтобы собеседник сохранил свое лицо. Здесь бы меня профессор никогда не спросил то, что касается моей личной жизни. В России это встречается на каждом шагу. Люди пытаются сразу построить более доверительные личные отношения. В Германии для этого нужно пройти через многие этапы.

Ты уже упомянул о писателях…Кто из русских писателей тебе нравится?

Я часто соприкасался с творчеством Чехова. Я прочитал короткие рассказы, к тому же на русском, это часть моей учебы. У Чехова мне особенно понравилось его критическое описание общества. Ну и конечно, как личность Чехов чрезвычайно интересен. Нужно себе представить: он не был по профессии писателем, он был врачом. Это был человек с таким широким кругозором, сегодня не так просто встретить таких людей.

Какие ценности на тебя повлияли?

Нельзя сказать, что у меня есть А сербская сторона и Б немецкая. Это как котел, в котором смешаны разные ингридиенты. Нельзя представить себе это так, что когдя я в Сербии, я надеваю «сербскую» маску, а когда в Германии то «немецкую» – это просто невозможно. В процессе общения немцы чувствуют, что я не совсем немец, и сербы тоже чувствуют, что я не совсем серб. Что касается немецкой части меня, то здесь большую роль играют такие ценности как демократия, свобода личности. Свобода личности во многих ее проявлениях, будь то свобода самовыражения или право на неприкосновенность. Я не могу себе представить отказаться от своих свобод. Это не означает, что в Сербии нет демократических свобод. Но есть некоторые отличия, например, в сфере свободы самовыражения. Что касается сербских ценностей, то здесь важна тесная связь с семьей. Люди мыслять еще коллективно. Многие шаги, которые ты предпринимаешь, ты совершаешь не только из своих личных интересов. Бывают ситуации, когда меньше думаешь о себе, а больше о своей семье. Конечно, и во мне присутствует это коллективное сознание. Вот вам простой пример: в Германии это нетипично в моем возрасте жить в доме родителей, в то время как я еще живу с родителями. В Сербии это считается нормальным, что молодые люди достаточно долго остаются в родительском доме. Это не означает, что ты еще не созрел, это означает ответственность за свою семью. Говорят, что когда ты покидаешь родительский дом, то ты берешь ответственность за себя, но точно так же ты несешь ответственность за семью, когда ты живешь дома и получаешь другие обязанности как взрослый человек. Многие люди по-прежнему думают, что если ты живешь дома у родителей, то тогда ты находишься в подчиненном положении. В сербской семье все равноправны и равноценны. Каждый является неотъемлемой частью, без которой существование семьи невозможно.

От себя хочется еще добавить, что люди, имеющие происхождение из другиз стран, обладают большим преимуществом. Ведь можно взять самое лучшее из культуры твоей родины или родины твоих родителей и самое лучшее из культуры той страны, где ты сейчас живешь. И перемешать лучшие ингридиенты! Надо использовать это преимущество!

Aleksamdar Tosic studiert europäische Kultur und Geschichte an der Ruhr-Universität bochum

Aleksandar Tosic studiert europäische Kultur und Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum

 

Über Russland, Deutschland…und Serbien – ein spannendes Gespräch mit Aleksandar Tosic

Was verbindest du persönlich mit Russland und mit Deutschland?

Ich fange mit Deutschland an. Mit Deutschland verbinde ich zunächst Technik, Fortschritt, eine hohe wirtschaftliche Leistung. Dazu gehören auch unzählige Schriftsteller. Aber natürlich auch die bayerische Weißwurst, die Deutsche Bahn und Bier. Was Gleichaltrige angeht, so ist für Deutschland ein gewisser Amerikanismus typisch. Man lebt amerikanischen Lifestyle viel mehr als man denkt. Es ist einfach drin, ohne dass man das begreift.

Was denkst du, ist Amerikanismus in den letzten paar Jahrzehnten präsenter geworden?

Ich bin 1991 in Westdeutschland geboren. Damals war der Amerikanismus schon da. Wenn ich jetzt im Nachhinein reflektiere, dann sehe ich, dass der amerikanische Lebensstil zunimmt.

Was verbindest du mit Russland?

Das mag man mir vielleicht nicht glauben, aber an erster Stelle verbinde ich mit Russland eine natürliche ökologische Vielfalt. Man muss Russland nicht nur immer aus einer stereotypisierten Perspektive betrachten. Russland ist ein riesiges Land. Dadurch, dass ich einige Bereiche in Russland besucht habe, wie z.B. den Baikalsee, habe ich gesehen, dass Russland  eine große natürliche biologische Vielfalt einschließt. Ich denke dabei an sibirische Landschaften, Birkenwälder, den Baikalsee, schöne Gebirgslandschaften, Täler, Flüsse etc. Des Weiteren noch typische Leckereien: Pelmeni, Prjaniki usw. Wie auch in Bezug auf Deutschland, spielen Schriftsteller eine wesentliche Rolle. Da gibt es noch einen Punkt – Oligarchen in Russland. Nicht, dass es Oligarchen sonst nirgendwo gäbe, aber ich meine, für Russland ist es besonders typisch. Sie sind vor allem im Bereich der Öl- und Gasindustrie zu präsent. Eine Riesenspalte, eine weitgehende Schere zwischen Arm und Reich ist in Russland ganz klar zu sehen. Man hat noch keine große Mittelschicht. Ich glaube eine Mittelschicht etabliert sich mittlerweile, aber sie hat es auch nicht einfach.

Wenn wir jetzt über Menschen sprechen, worin liegen Unterschiede zwischen Deutschen und Russen?

Ich bin selbst nicht ganz deutsch. Ich hab einen serbischen Background; meine Eltern sind Serben, ich bin aber in Deutschland aufgewachsen. Wenn ich mein Verhalten reflektiere, vor allem wenn ich in Serbien bin, in einem anderen kulturellen Umfeld, merke ich, dass ich viele deutsche Züge habe, die die Serben wiederum nicht haben. Menschen strukturieren hier in Deutschland ihren Alltag sehr klar. Es läuft alles planmäßig. Man plant den Urlaub ein halbes Jahr voraus, aber in Serbien würde das keiner machen. Struktur, Planmäßigkeit, Pünktlichkeit, Bürokratie – alles muss seine Ordnung haben. Jeder Lebensschritt muss dokumentiert werden. Das ist die eine Seite. Andererseits sind Deutsche trotz ihrer „Ernsthaftigkeit“ sehr lebensfroh.

Was für Russen typisch ist? Offenheit auf jeden Fall. Extreme Gastfreudigkeit. In Deutschland sind privates und berufliches sehr voneinander getrennt. In Russland habe ich das Gefühl, dass verschiedene Sphären des Alltags ineinanderfließen, dass die Menschen ganz anders eingestellt sind zum gesamten Leben. In Deutschland würde ich mich im privaten Leben anders präsentieren als auf der Arbeit. In Ländern wie Russland hat man einen gewissen Fluss. Wie ich die Menschen in Russland im beruflichen oder akademischen Alltag kennengelernt habe, so sind sie auch privat – da merkt man ein Kontinuum.

Wie kannst du deine Begegnungen mit Russen beschreiben?

Sie sind an allem interessiert, was du machst. Sie würden sich alles anhören und alles fragen was sie interessiert. In Deutschland würde man überlegen, wie strukturiere ich das Gespräch, was frage ich zuerst, was frage ich lieber nicht. In Deutschland achtet man sehr darauf, dass man das Gesicht des anderen wahrt. Mich würde hier ein Professor niemals über Dinge fragen, die zu sehr ins Private gehen. In Russland war das gang und gäbe. Man baut sofort einen persönlichen Bezug zueinander. Hier in Deutschland muss das über mehrere Etappen verlaufen.

Du hast bereits Schriftsteller erwähnt…Welche russischen Schriftsteller gefallen dir?

Ich habe mich häufig mit Tschechow befasst. Ich habe einige seiner Kurzgeschichten gelesen, dann auch auf Russisch, das gehört zu meinem Lernprozess. Was mir sehr gefallen hat, ist seine kritische Darstellung der Gesellschaft. Tschechow als Person finde ich ohnehin total interessant. Man muss sich vorstellen: er war beruflich kein Schriftsteller, sondern er war Arzt. Das war ein Mensch, der so eine Art Rund um- Bildung hatte, wie man es heute nicht so einfach findet.

Welche Werte haben dich geprägt?

Ich kann nicht sagen, dass ich a) eine serbische Seite habe und b) eine deutsche. Ich bin eher wie ein Topf, in dem verschiedene Zutaten drin sind. Es ist nicht so, dass wenn ich mit Serben bin, ich eine serbische Maske aufziehe, und wenn ich mit Deutschen bin, dann eine deutsche – das funktioniert einfach nicht. Deutsche spüren, dass ich nicht 100% deutsch bin, wiederum spüren Serben, dass ich nicht 100% serbisch bin. Was den deutschen Anteil in meinem Selbst angeht, spielen vor allem Demokratie und persönliche Freiheiten eine große Rolle. Persönliche Freiheiten in jeglicher Form, sei es Meinungsfreiheit oder Recht auf Unversehrtheit. Ich könnte mir nicht vorstellen auf meine Freiheiten zu verzichten. Das heißt nicht, dass es in Serbien keine Freiheiten gibt. Es gibt aber Unterschiede, z.B. im Bereich Meinungsfreiheit. Was serbische Werte angeht, so habe ich einen starken Bezug zu meiner Familie. Man denkt noch sehr familiär und kollektiv. Viele Schritte, die du tust, tust du nicht unbedingt aus deinem individuellen Interesse heraus. Du überlegst, inwiefern Taten etwas deiner Familie bringen, welche Konsequenzen sie haben. Es gibt Situationen, in denen man viel weniger an sich denkt, sondern viel mehr an eigene Familie. Da ist noch ein enormes Kollektivbewusstsein in mir drin. Ein ganz einfaches Beispiel: es ist für Deutschland untypisch, dass man in meinem Alter noch bei den Eltern lebt. In Serbien ist das alerdings ganz normal, dass man in einem relativ hohen Alter noch zu Hause lebt. Das hat damit nichts zu tun dass man nicht reif ist, sondern eher mit einem Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Familie. Man sagt, wenn man auszieht, dann übernimmt man erst Verantwortung. Aber man übernimmt ebenfalls Verantwortung, wenn man zu Hause bleibt und mit diversen Aufgaben konfrontiert wird. In vielen Menschen ist noch dieses Denken da: solange man zu Hause wohnt, sind die Eltern ober- und du bist quasi untergeordnet. Man muss sich davon lösen. In einer serbischen Familie ist jeder auf derselben Hierarchieebene. Jeder ist ein wichtiger Teil, ohne welches vieles nicht funktioniert.

 Am Ende unseres Gesprächs dachte ich mir: es ist ein großer Vorteil für Menschen mit einem Migrationshintergrund oder einer Migrationsgeschichte in der Familie. Man kann das Beste aus seinem Heimatland oder dem Heimatland seiner Eltern nehmen und aus dem Land wo man wohnt und dann die besten Zutaten in einem Topf vermischen. Diesen Vorteil muss man nutzen!

Interview mit Aleksandar Tosic hat Maria Khavanova durchgeführt.

12483550_1034417669933070_764363603_n

Для любви нужно не так много – общение, знакомство с культурой, традициями, образом жизни