Die Auslandsgesellschaft:

Von jeher der Ort des Dialoges in schwierigen Zeiten.

Es ist kein Zufall, dass die Idee einer neuen Dialog-Plattform zu den menschlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland ausgerechnet von der Auslandsgesellschaft in Dortmund ausging. Das Haus an der Steinstraße, heute Europazentrum und Sitz sowohl der Auslandsgesellschaft NRW wie der Auslandsgesellschaft Deutschland, hat eine lange Tradition im bauen schwieriger Brücken zwischen Deutschland und Russland.

Als die Auslandsgesellschaft NRW noch Rheinisch-Westfälische Auslandsgesellschaft hieß und sich intensiv mit der Versöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern beschäftigte, wurde durch die Entspannungspolitik der siebziger Jahre auch das Gespräch mit Russland möglich. Die Stadt Dortmund ging eine Städtepartnerschaft mit Rostow am Don ein und die Auslandsgesellschaft war dabei stark engagiert. Seitdem ist Russland ein wichtiger Partner in der Arbeit der Auslandsgesellschaft gewesen und immer wieder Thema wichtiger Diskussionen. Ein paar Beispiele sollen die Bandbreite dieser Arbeit zeigen:

Die Auslandsgesellschaft in Dortmund hat das erste deutsch-russische Historiker-Kolloquium veranstaltet, zu einer Zeit, als die Deutung der Geschichte noch Teil eines ideologischen Kampfes war. In Dortmund und in Moskau wurde auf hohem Niveau um ein gemeinsames Geschichtsbild gerungen, aber auch die Auseinandersetzung in der historischen Wissenschaft in Russland selbst geführt (z. B. um den Hitler-Stalin-Pakt).

Das erste deutsch-russische Gespräch über Umweltschutz wurde ebenfalls hier geführt. Ein Kongress der Auslandsgesellschaft führte Fachleute und Journalisten beider Seiten zusammen, zu einer Zeit, als ein solcher Dialog politisch noch gar nicht denkbar war.

Über viele Jahre beherbergte die Auslandsgesellschaft das Deutschlandbüro der deutsch-sowjetischen Gesellschaft. Das war auch der Grund für die Ansiedlung eines russischen Lektors für jeweils zwei Jahre. Einer von ihnen war der bedeutende Wissenschaftler und Autor Watscheslaw Datschitschew, der in vielen Veranstaltungen vorweg nahm, was erst unter Gorbatschow in Russland selbst möglich wurde, eine offene, kritische Auseinandersetzung mit der gemeinsamen Geschichte und der Nachkriegsgeschichte.

Und ein weiteres Bespiel ist eine Ausstellung, die durch 27 Städte Russlands gegangen ist. Sie trug den Titel „Deutsche und Russen – nicht nur Gegner“ und zeigte historische Beispiele für das Gemeinsame in der deutsch-russischen Geschichte. Der Katalog war ein Bestseller in Russland, obwohl oder weil er kritische Betrachtungen nicht vermied.

Am Ende des Kalten Krieges wurde die Entwicklung Russlands besonders aufmerksam verfolgt und diskutiert. Die deutsch-russische oder später deutsch-osteuropäische Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft hat zum bilateralen Verhältnis, zu vielen menschlichen Begegnungen und zur gegenseitigen Information viel beigetragen.

Dass jetzt wieder die Notwendigkeit besteht, die menschlichen Brücke zwischen Deutschland und Russland zu stärken und entgegen der politischen Großwetterlage sichtbar zu machen, ist angesichts der schwierigen Verhältnisse im Jahr 2014 und zu Beginn von 2015 offensichtlich. Viele Menschen haben ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit den Menschen im jeweils anderen Land, sie können zeigen, dass auch heute vieles geschieht, was die Medien nie erreicht, aber dennoch für das Verständnis wichtig ist. Diese Erfahrungen bergen den Kern guter zukünftiger Verhältnisse, die beide Länder für ihre eigene Entwicklung brauchen, die aber auch Grundvoraussetzung sind für eine friedliche gemeinsame Zukunft in Europa.

Die Deutsch-Russische Akademie Ruhr soll deshalb ein lebendiges Forum für die Darstellung von Erfahrungen sein von Deutschen und Russen, von Städten, die über ihre Partnerschaftsarbeit informieren wollen, von Wissenschaftlern, die über ihre Kooperationen berichten, von Studenten und Journalisten, die ihre Erlebnisse und Erfahrungen darstellen wollen und von Unternehmern und Arbeitnehmern, die in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit ihr je eigenen Erfahrungen gemacht haben.

Wenn Sie sich angesprochen fühlen, dann sind Sie hier richtig. Machen Sie mit und beteiligen Sie sich mit ihren Erfahrungen! Der Austausch im Netz wird erst dann zu notwendigen Veranstaltungen verdichtet werden, wenn Sie genug Material für spannende Themen und für unabwendbare Diskussionen geliefert haben. Dann wird aus der Internet-Plattform eine Akademie, bei der man sich auch im Saal begegnen kann.

Wir erwarten wie immer in der Auslandsgesellschaft bei diesen Aktivitäten ein gewisses Niveau. Hier kann man alles sagen, aber man muss es mit der Achtung vor Anderen tun und innerhalb eines Wertesystems, das nationalistische, rassistische, antisemitische oder andere herabwürdigende oder gar gewalttätige Haltungen missbilligt.

 

Herzlich Willkommen

Ihr

Erich G. Fritz