Frau Dr. Julia Bryk, freie Journalistin und Social Media Redakteurin interviewte Herrn Dr. Volker Baumstark, Berater im Bereich Risikomanagement für die Deutsch-Russische Akademie Ruhr.

 

J.B.: Seit wann interessieren Sie sich für Russland? Was fasziniert Sie am meisten? Wo waren Sie schon?

V.B.: Mein Interesse für Russland bzw. die UDSSR fing mit der Fußball Europameisterschaft 1988 in Deutschland an, wo das Team um Rinat Dassajew das Finale erreicht und mich sehr beeindruckt hat. Was mich an Russland am meisten fasziniert, ist seine Größe und damit verbunden die vielfältigen Landschaften, ganz unterschiedliche, aber stets gastfreundliche Menschen, eine reiche Kultur und seine einzigartige Geschichte. Dabei habe ich längst nicht alles gesehen. Bisher war ich in St. Petersburg, Moskau, Wolgograd und dem Nordkaukasus.

J.B.: Wie sehen Sie Perspektiven der russischen Wirtschaft?

V.B.: Es gilt für Russland, auf den niedrigen Ölpreis, die verschiedenen Sanktionen und die derzeitige politische Lage sinnvolle Antworten zu finden. Eine stärkere Kooperation mit China deutet sich bereits an, u.a. im Bezug auf Kredite, Gas, Eisenbahn- und Agrarprojekte. In den russischen Regalen findet man wieder mehr Eigenproduktionen. Die Wiedererstarkung des Rubels und der starke Rückgang des Inflationsdrucks sind ebenfalls bemerkenswert. Die Notwendigkeit, die russische Wirtschaft zu beleben und zu reformieren, bestand jedoch bereits vor der Krise. Dass beispielsweise der neue Panzer „Armata“ von einigen Experten als die erste echte russische Innovation seit dem Zerfall der Sowjetunion angesehen wird, ist für ein Land wie Russland meiner Meinung nach zu wenig.

J.B.: Haben die westliche Sanktionen große wirtschaftliche Wirkung?

V.B.: Ohne Zweifel hat wegen der hohen Abhängigkeit der russischen Wirtschaft vom Öl- und Gasgeschäft der derzeitige Ölpreis eine deutlich größere Wirkung auf die Wirtschaft Russlands als die westlichen Sanktionen. Dennoch wäre eine politische Entspannung allgemein wünschenswert und für alle Seiten vorteilhaft.

J.B.: Sollte man in die russische Wirtschaft investieren?

V.B.: Wenn Russland auf die derzeitige wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten gute Antworten findet, kann Russland eine interessante Option werden, sofern man selbst mit den Eigenheiten und Gebräuchen dieses großen Landes hinreichend vertraut ist. Für risikobereite Anleger ist der russische Markt aufgrund hoher Zinsen dagegen bereits jetzt sehr attraktiv, trotz einer weiteren Absenkung des Leitzinses auf inzwischen 12,5%.

J.B.: Was sollte man im russischen Markt verbessern?

V.B.: Eine sichtbare Verbesserung des Investitionsklimas, eine Stärkung der Innovationskraft und eine Diversifizierung der russischen Wirtschaft sollten weiterhin auf der Agenda stehen. Meiner Meinung nach wäre Russland gut beraten, die Abhängigkeiten von Öl, Gas und Importen u.a. durch den Aufbau einer gründerfreundlichen Wirtschaft zu reduzieren. An schlauen Köpfen gab es in Russland noch nie einen Mangel.

J.B.: Was ist Ihr Lieblingsfilm bzw. –buch aus Russland?

V.B.: Mein Lieblingsbuch aus Russland ist „Der Meister und Margarita“ von Bulgakow. Was Filme angeht, so haben mich die Werke von Tarkowski sehr beeindruckt.

 

DRVolkerBaumstark

Dr. Volker Baumstark

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