„Unsere Gemeinsamkeiten stehen auf einem fruchtbaren Boden“ 

Im Gespräch mit Herrn Heinz-Herbert Dustmann

 

Was sind Ihre persönlichen Begegnungen mit Russen?

„Da gibt es ganz viele. Unser Unternehmen ist für Kunden in Moskau, St. Petersburg und vielen anderen Städten Russland mit unserem Werk in Pskov und deutscher Unterstützung tätig. Da gibt es sehr viele Begegnungen mit Russen. Alle haben eins gemeinsam: Die Menschen begegnen uns sehr freundlich, sehr herzlich. Sie kommen uns und unseren Produkten mit sehr großem Interesse entgegen.

Die Menschen kommen uns aber nicht nur auf der geschäftlichen Ebene, sondern auch persönlich entgegen. Auch mit nicht alltäglichen Dingen, als sehr nette Geste. So haben Sie uns auch bereits zum Bootsfahren auf einem früheren Patrouillenboot eingeladen. Oder zum Eisangeln – bestens organisiert von der Stadtverwaltung von der Fahrt, über Kleidung und köstlicher Verpflegung.

So waren wir mal bei – 15 Grad auf dem Eis und die Frau des stellvertretenden Bürgermeisters von Pskov sorgte sich um meine Frau. Diese wiederum nahm immer ihre Kapuze ab. Damit war die Frau des stellvertretenden Bürgermeisters ganz und gar nicht einverstanden. Sie hatte Sorgen, dass sich meine Frau erkältet. Das hat sie ihr dann auch mehrmals gesagt. „Um Himmels willen, nicht, dass Sie sich erkälten…

Ich habe so viele menschliche und persönliche Begegnungen mit Russen gehabt, dass ich sie gar nicht alleine alle aufzählen kann…

Seit 2 Jahren bilden wir auch in Russland dual aus. D.h.: Theoretisch und praktisch lernen die russischen Azubis in Russland und in Deutschland ihr Handwerk und erhalten als Abschluss den deutschen Gesellenbrief.

Die Menschen waren und sind uns immer das Wichtigste. Das war schon so, als mein Vater den Betrieb führte. Und das ist auch bei mir so.

 

Gibt es Gemeinsamkeiten oder Unterschiede?

Klar gibt es die. Manchmal habe ich den Eindruck, als ob Russen wesentlich komplizierter denken als wir. Wenn ich Nein sage, dann meine ich genau das. Und nicht eventuell etwas anderes. Wir treffen Vereinbarungen, damit sie eingehalten werden.

Wenn es Unterscheide gibt, dann liegen sie aber meist in den persönlichen Unterschieden. Die eine Person ist so, die andere anderes. Das hat mit Russen und oder Deutschen nichts zu tun.

Ich führe unseren Betrieb mit sehr kooperativem Führunsgstil. Wenn mir ein Mitarbeiter ein Problem schildert, dann frage ich ihn, was würden Sie jetzt machen an meiner Stelle? Meist kommen wir dann zu der von ihm vorgeschlagenen Lösung, auf jeden Fall aber zu einer für alle zu tragenden Lösung.

Russen sind ähnlich ernsthaft wie wir. Sie sind genauso wie wir sehr ernste Menschen, sie sind sehr strebsam. Manchmal sogar noch mehr als wir. Vor allem sind sie eins: sehr intelligent. Und immer wieder eines: Sehr herzlich. Das ist das, was ich hier in Deutschland mittlerweile vielfach vermisse. Hier ist es insgesamt kälter geworden.

 

Was schätzen Sie an Russen, was an Deutschen?

Ich schätze vor allem die Zuverlässigkeit. Das ist für einen ehrbaren Kaufmann das Wichtigste. Und das schätze ich auf beiden Seiten.

Unsere Gemeinsamkeiten stehen auf einem fruchtbaren Boden. Wenn wir ihn weiter beackern, können wir gemeinsam das ernten, was wir säen.

 

Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen Russen und Deutschen in 5 oder in 10 Jahren?

Ich hoffe, dass sich die menschliche Ebene positiv entwickeln wird. Und das trotz der Politik – hoffentlich bald wieder mit der Politik. Wir werden dort weiter investieren.

Für mich steht  Corporate Social Responsibility im Mittelpunkt des Unternehmens statt dem reinen Gewinn. Wenn ich den Menschen und die Verantwortung ihm gegenüber nicht in den Fokus rücke, dann nutzt der größte Gewinn nichts.  Wer den Kopf in den Wolken hat, der sollte auch dafür sorgen,  dass er mit den Füßen auf dem Boden bleibt. Das hat mein Vater zu mir gesagt. Und daran halte ich mich.

Statt von Gewinnmaximierung um jeden Preis spreche ich lieber von Gewinnoptimierung. Und das bedeutet vor allem, den Gewinn erzielen, der erzielbar ist bei fairem Umgang mit allen an seiner Erzielung Beteiligten. Mitarbeiter ebenso wie Kunden, Lieferanten und weitere Wirtschaftspartner.

Wenn ich mich daran halte, dann kann auch unser eh gutes Verhältnis zu Russen keinen Schaden nehmen.

Das sehe  ich positiv ebenso in 5 und in 10 Jahren.  Wenn wir uns um uns und unsere Mitmenschen in anderen Ländern kümmern, dann wird der Umgang keinen Schaden nehmen

 

Das Interview führte Martina Plum.

 

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Heinz-Herbert Dustmann ist seit 1990 der Präsident der DULA-Gruppe. Eines der führenden Unternehmen Europas im Bereich Ladengestaltung und Innenausbau. Er hat die Leitung des Unternehmens von seinem Vater übernommen, der es 1953 gegründet hat. Seit 2005 sind ist Dula in Russland mit einem eigenen Werk tätig; insgesamt sind es über 1000 Mitarbeiter, die an 8 Produktionsstätten in Deutschland, Spanien und Russland sowie in Büros in diesen Ländern und darüber hinaus in England und Dubai für Kunden weltweit tätig sind.

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