Internationales Jugendforum Berlin: Die Rolle der Jugenddiplomatie

Im Rahmen des deutsch-russischen Forums „Die Rolle der Jugenddiplomatie: Entwicklungsaussichten der deutsch-russischen Beziehungen“ wurde in Berlin die Bedeutung des Jugendaustauschs besprochen.

Von allen Teilnehmern wurde betont, die Volksdiplomatie sei der einzelne Weg, die innerstaatlichen Beziehungen in schwierigen Zeitperioden zu stärken. Probleme in Beziehungen zwischen Deutschland und Russland, die im politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Bereich aufkamen, bestätigen wieder die Notwendigkeit, sich für eine enge Zusammenarbeit der Bürgergesellschaften beider Seiten zu bemühen.

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Zwei Generationen: Erfahrung und Jugend. Das Ziel ist aber gleich – Verständigung zwischen Deutschland und Russland.

Der Rolle der Jugend wurde eine besonders große Bedeutung beigemessen 

Die Liste der Vortragenden sah beeindruckend aus: die jungen Menschen wurden u. a. vom russischen Botschafter in Deutschland Vladimir Grinin, vom Leiter der CDU / CSU im Bundestag Bernhard Kaster sowie vom Sondervertreter des Präsidenten der Russischen Föderation für internationale und kulturelle Zusammenarbeit Michael Schvidkoy angesprochen.

Während der Diskussionen wurden viele Vorträge gehalten: von aktiven Bundestagsmitfiedern Tobias Zech (CSU) und Franz Thönnes (SPD); von russischen Wissenschaftlern Vladislav Belov (Stellvertretender Direktor des EIRAW, Leiter des Zentrums für Deutschlandforschungen), Dr. rer. pol. habil. Viktor Vasiljev (wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Wissenschaft und internationale Beziehungen EIRAW), Natalia Maslakova-Glauberg (Leiterin des Zentrums für Weltkulturen, Professorin Diplomatic Academy of the Ministry of Foreign Affairs of the Russian Federation), Natalia Govorova (Leiterin des Zentrums für vergleichende sozial-ökonomische Forschung, EIRAW), Ekaterina Timoshenkova (Stellvertretende Leiterin des Zentrums für Deutschforschungen, EIRAW); von Vertretern der Zivilgesellschaft Larissa Yurchenko (Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der russichsprachigen Institutionen in Deutschland), Martin Hoffman (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied Deutsch-Russisches Forum e.V.), Thomas Hoffman (Geschäftsführer der Stiftung DRJA), Vitali Krusch (Vorsitzender des Jugendparlaments zwischen den Städten Bonn und Kaliningrad); von Leitern föderaler und nichtstaatlicher Jugendorganisationen Dina Sokolowa, Grigorij Petushkov, Alexej Lubzov sowie Publizisten und Journalisten Hauke Ritz, Marine Voskanyan, Artjom Lysenko, Evgeniya Sayko, Julia Bryk u.a.m.

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Auf dem Bild von links nach rechts: Natalia Maslakova-Glauberg, Michail Schwydkoi, Tobias Zech, Oleg Zinkovski, Elena Erakina, Franz Thönnes, Grigorij Petushkov, Alexej Lubzov. (c)russkoepole.de

Die Veranstaltung wurde möglich dank der Initiative und der großen Organisationsarbeit des Bundesverbandes der russischsprachigen Institutionen und des Deutsch-Russischen Forums e.V., des Allgemeinen deutschen Koordinationsrates der russischen Landsleute und mit der Unterstützung der Russischen Botschaft in der BRD, der deutschen Vertretung der Föderalagentur für Angelegenheiten der GUS, für Fragen der im Ausland lebenden Landsleute und für internationale humanitäre Zusammenarbeit „Rosssotrudnitschestwo“  sowie der Stiftung „Russkij Mir“.

Eröffnet wurde das Forum von Larissa Yurchenko, der Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbandes der russischsprachigen Institutionen in Deutschland.

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In der Mitte: Larissa Yurchenko, dieVorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der russischsprachigen Institutionen in Deutschland. (c)russkoepole.de

Die Hauptzielgruppe, die die maßgebenden Vertreter zweier Länder angesprochen haben, waren in Deutschland lebende junge Menschen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren. Ein Teil von ihnen sind russischsprachige Landsleute, die entweder in Deutschland geboren wurden, oder nach Deutschland mit ihren Eltern aus dem postsowjetischen Raum eingewandert waren.  Die zweite Gruppe waren einheimische Deutsche, die Interesse an Kontakten mit ihren russischen Altersgenossen haben. Eine weitere Gruppe waren die Jugendlichen, die zum Forum aus Russland gekommen sind.

Alle jungen Teilnehmer des Forums sind engagierte und erfahrene Mitglieder deutscher und russischer gesellschaftlicher Einrichtungen. Ein großer Teil von ihnen sind Organisatoren internationaler Projekte, die die Jugendlichen Deutschlands und Russlands verbinden. Die Themenpalette ist sehr vielfältig: Kultur, Umwelt, Sport, Recht, Freiwilligendisnst, Wohlfahrt u.a.m.

Für den Koordinationsrat der russischen Landsleute in Deutschland sei die Arbeit mit den Jugendlichen und die Unterstützung der Jugendprojekte einer der Schwerpunkte. Zu betonen ist, dass derartige Jugendveranstaltungen von Ratmitgliedern jährlich organisiert werden –  auf regionaler, gesamtdeutscher, europäischer und internationaler Ebene. Der Rat verinigt mehr als 400 Organisationen in Deutschland, die auf die Arbeit mit Kindern und Judendlichen gezielt sind und viel Erfahrung hinter sich haben.

In traditionellen deutschen Organisationen wird der Arbeit mit der jüngeren Generation auch die größte Bedeutung beigemessen. Hier lässt sich sagen, dass die russischsprachigen Gesellschaften die Arbeit der deutschen Zivilgesellschaft harmonisch ergänzen, zu der sie auch gehören.

Probleme und Hoffnungen

Kann man mit erzielten Ergebnissen zufrieden sein? Im Prinzip schon – der Jugendaustausch hat schon eine starke Tradition. Die Jugendlichen aus Russland und Deutschland erklären sich bereit, sich zu treffen  und für sich neue, unerforschte Seiten des Lebens im anderen Land zu entdecken.

Aber es gibt Faktoren, die Arbeit in Austauschprojekten erheblich erschweren. Vor allem seien das Visabestimmungen, die die Kommunikation zwischen beiden Ländern hemmen. Insbesondere betrifft das die russische Seite. Um ein einfaches Beispiel zu geben: Beim Beantragen des deutschen Visums sollen die Fingerabdrücke abgenommen werden. In Deutschland, wo die Strecken nicht so lang sind, ist dies schwierig, aber lösbar. Was bleibt aber Schülern aus russischen Provinzen übrig?

Auf dem Forum wurde die Geschichte von Schülern aus Jakutien (einer Republik im nordöstlichen Teil des asiatischen Russlands) erzählt. Um das Visum zu beantragen, sollen diese  nach Nowosibirsk (die größte Stadt Sibiriens) fahren. Das macht schon eine ganze Reise aus, kostet viel Zeit und Geld und macht kaum Spaß. Das heißt, der Jugendaustausch kann bei solchen Hürden nicht zum Massentrend nicht werden.

Zweites. Finanzieren russisch-deutscher Jugendprojekte

Kreative, sehr wichtige und interessante Ideen gibt es genug. Zu derer Umsetzung stellt aber Russland zu wenig Geld bereit – im Vergleich, beispielsweise, zum Unterstützungsvolumen deutsch-französischer oder deutsch-polnischer Jugendaustauschprogramme (am ersten Platz sind hier US- und kanadischen-deutsche Jugendaustauschprojekte). Es ist klar, dass die Investitionen in die Zukunft die profitabelsten sind.

Drittes. Das Image beider Länder wird beiderseitig verschlechtert. Dies wirkt sich auf die Entscheidung beim Aussuchen des Austauschlandes.

Viertens: sprachliche Hürden. Das Interesse an der deutschen Sprache in Russland habe abgenommen. Was die russische Sprache in Deutschland angeht, bestehe es eine geringe Motivation der Lehrenden,  fast vollständige Abschaffung des zweisprachigen Unterrichts in Schulen, Verschlechterung des Bildes von Russland sowie die Russophobie in den deutschen Medien.

Die Wege zur Lösung dieser Probleme sei eine offene Frage, die vor allem vom Engagement und Interesse der Politiker beider Länder abhängt. Die Jugend hat wiederum genug Interesse, was auch auf dem Forum nochmals bestätigt wurde.

Nicht umsonst wurde mehrmals die Aktualität und die Notwendigkeit des Jugendaustauschs betont – das Schicksal der Welt liege in den Händen der jungen Menschen. Sie, als eine junge, neugierige, offene und von Vorurteilen freie Generation, haben die lange jahrhundertealte Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen fortzusetzen.

Auch heute, trotz der schwierigen politischen Lage und der politischen Krise, weisen die Jugendlichen ein großes Interesse an der Kommunikation miteinander. Die Aufgabe, die angewandten Probleme zu lösen und den Jugendaustausch zur Massenbewegung zu machen ist im Rahmen des offiziellen Jugendaustauschjahres zwar unlösbar. Ist aber der erste Schritt in diese Richtung.

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Kranzniederlegung im Treptower Park (c)russkoepole.de

Text im Original auf Russisch: russkoepole.de

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