Russland und der Westen: von der Entfremdung zu der Bedrohung der Europäischen Friedensordnung

Zur Person: Gernot Erler studierte Slawische Sprachen, Geschichte und Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und an der Universität Freiburg. Seit 1987 ist Erler Mitglied des Deutschen Bundestages, seit 2014 ist er ein Koordinator für zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit Russland, Zentralasien und den Ländern der Östlichen Partnerschaft (kurz: Russland-Beauftragter).

Im Rahmen der Veranstaltung „Was ist Europa?“ hielt Herr Erler an der Ruhr- Universität Bochum einen Vortrag zum Thema „Russland und der Westen“ und berichtete aus osteuropäischer Sicht. Er gliederte seinen Vortrag in vier Hauptthemen:

1.Die Vorgeschichte zur Entfremdung

  1. Der Ukrainekonflikt

3.Der Schutz und die Sicherheit

  1. Der Weg zu einer neuen Weltordnung

1.Vorgeschichte einer Entfremdung

Die Entfremdung zwischen Russland und dem Westen, die wir heute beobachten, kam nicht mit dem Konflikt um die Ukraine. Sie wurde durch die unterschiedlichen Bewertungen und Wahrnehmungen zu selben Ereignissen in den letzten 25 Jahren ausgelöst. Nicht nur konkrete Geschehnisse, sondern auch russische Staatschefs von beiden Seiten unterschiedlich bewertet.

Gorbatschow ist in Deutschland einer der beliebtesten russischen Politiker, weil er zur Entspannung in den Beziehungen zwischen Ost und West und zur Wiedervereinigung Deutschlands beigetragen hat. Ohne ihn hätte es den Vertrag „2+4“ nicht gegeben. Von manchen Russen wird er als der „Totengräber der Sowjetunion“ gesehen.

Jeltzin wurde im Westen trotz einiger seinen Schwächen als ein Demokrat begrüßt, der Marktwirtschaft in Russland eingeführt hat. In Russland ist seine Amtszeit als ein chaotisches Jahrzehnt in Erinnerung geblieben. Dazu kam noch der Rubelzusammenbruch 1998, die die finanzielle Lage vieler Russen wesentlich verschlimmert hat.

Auch der heutige Präsident Putin wird in Russland und im Westen unterschiedlich gesehen. Der Westen sieht in ihm einen autoritären Politiker, der Russland in eine Diktatur umwandelt. Die meisten Russen verbinden mit Putin Stabilität, Rechtsordnung (oder wie Putin einmal gesagt hat „Rechtdiktatur“) und Stärkung der Zentralgewalt.

Wie hat Westen sich selbst in  den letzten Jahrzehnten gesehen? Der Westen habe sich in seiner eigenen Selbstwahrnehmung in den letzten 25 Jahren konstruktiv verhalten. Strategische Partnerschaften zwischen Russland und der EU wurden unterschrieben. Sie umfassen die so genannten vier „common spaces“: Wirtschaft; Freiheit, Sicherheit und Justiz; äußere Sicherheit; Forschung und Bildung sowie kulturelle Aspekte. Eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit und gegenseitige Abhängigkeit hat sich entwickelt. Unter Medvedev wurde sogar die Zusammenarbeit in Administration und Zivilgesellschaft anvisiert. Die Vertreter der westlichen Sichtweise können sagen „Wir haben Partnerschaft gesucht“. Aus der russischen Sicht sehen diese Entwicklungen ganz anders aus. Der Westen habe  die Schwäche Russlands ausgenutzt, um eigene Regeln aufzuzwingen. Die Position der USA nämlich, dass die USA Russland nicht als die Weltmacht akzeptieren, hat Russland besonders irritiert. Die Osterweiterung der NATO und die Farbrevolutionen (die aus russischer Sicht mit amerikanischer Hilfe organisiert wurden) haben dazu geführt, dass Russland alle Vorhaben des Westens als Bedrohung der eigenen Sicherheit und Souveränität sah.

Erst 2007 auf der Sicherheitskonferenz in München, als Putin mit einer sehr emotionalen Rede aufgetreten ist, wurde es auch dem Westen klar, dass Russland die Osterweiterung der NATO als Bedrohung sieht. Zwar wurde für die Zusammenarbeit mit Russland der Russland-NATO Rat gegründet und bereits 1997 Pakte für die Zusammenarbeit unterschrieben. Diese Maßnahmen haben aber nicht dazu gebracht, dass Russland die NATO-Osterweiterung akzeptiert hat.

Aus der Sicht von Gernot Erler, liegt der Fehler des Westens darin, dass wir zu spät verstanden haben, dass wir unterschiedliche Narrative haben. Der Höhepunkt der verschiedene Narrative ist der Ukraine-Konflikt.

Russische Deutung der Assoziierungsabkommen mit der Ukraine ist folgende: das Assoziierungsabkommen bedeutet für Russland den Verlust der Kontrolle über die Ukraine, die Russland als „Brudervolk“ sieht. Aus russischer Sicht, hat der Westen damit die rote Linie überschritten.

Dann hat Russland selbst die rote Linie überschritten indem es die Krim annektiert hat und die Separatisten in Donbass unterstützt. Damit hat Russland eindeutig gegen das internationale Recht verstoßen. Der Verstoß gegen das internationale Recht hat den Konflikt mit dem Westen ausgelöst. Die Entfremdung führte zur Gefährdung der europäischen Friedensordnung.

Erler sieht das Fehlverhalten der USA darin, dass die USA sich selbst als die einzige Weltmacht gesehen haben und Russland als einen gleichberechtigten Partner nicht akzeptiert haben. Die Rede von Putin (das war ein Warnsignal) wurde nicht aufgearbeitet. Der Vorschlag von Medvedev für gemeinsame europäische Sicherheitsarchitektur, den er seit dem Frühjahr 2008 gemacht hat, wurde nicht aufgenommen.

  1. Der Ukrainekonflikt

Die Situation um die  Ukraine stellt eine ernste Herausforderung für die europäische Friedensordnung dar.  Nach den Lösungen wird aktuell im Rahmen des Normandie-Formates gesucht. Deutschland als das Land, das enge Beziehung zu Russland hat, übernahm (auch zusammen mit Frankreich) die Vermittlerrolle in diesem Konflikt. Die USA zogen sich dabei zurück. Das Normandie Format besagt, dass keine militärische Gewalt angewendet wird und nur die politische Lösung des Konfliktes möglich ist. Erler betonte, dass es sehr wichtig für die europäische Friedensordnung ist, dass sich die Europäer auf die nicht-militärische Lösung geeignet haben. Diese Einigung war für die Europäer sehr wichtig.

Am 15.02.2015 begann das Friedensprogramm, der Minsker Prozess. Lieder ist Minsk 1 gescheitert. Jetzt versucht man, Minsk 2 mit einem konkreten Plan (road map) durchzusetzen.

Die OSZE spielt dabei eine wichtige Rolle, weil sie die einzige Organisation ist, die den Kontakt zwischen den Konfliktparteien ermöglicht.  Die OSZE zwei Aufgabenbereiche zu erfüllen. Sie schicken Beobachter in die Ostukraine, um wichtige Informationen zur Lage zu bekommen.  Sie organisieren trilaterale Kontaktgruppen, wo sich jeweils die Vertreter der Ukraine, Russlands und der Separatisten treffen.

Wie ist die Lage im Moment? Nach der Einschätzung von Gernot Erler, ist der heutige Stand eine große Katastrophe, da kein einziger Punkt des Friedensbeschlusses umgesetzt wurde. Es fallen immer noch Schüsse und es gibt zahlreiche Tote und Verletze. Im Moment streiten die Konfliktparteien  über die Sequenzierung (soll zuerst der Waffenstillstand gewährleistet werden oder soll das Donbass-Gebiet zuerst einen Sonderstatus bekommen und Wahlen organisiert werden).  Die Ukrainer kamen zu dem Beschluss, dass sich ohne Waffenstillstand weitere Schritte nicht möglich sind.

Am 19.10.2016 hat man einen neuen Friedensansatz, die sogenannte Entflechtungsstrategie vorgeschlagen. Dabei sollten einzelne Zonen die Waffen still legen und andere Zonen sollten sich ihnen anschließen.  Dieser Friedensansatz wurde bisher auch nicht umgesetzt.

Wie ist im Moment die deutsche Position? Deutschland wird die Krim nicht als den Teil Russlands nicht anerkennen. Allerdings ist die Krim heute nicht auf der Agenda. Die Priorität in den Verhandlungen gehört der Ostukraine. Die Frage der Sanktionen ist von der erfolgreichen Umsetzung des Minsker-Abkommens abhängig. Erler unterstrich, dass die Sanktionen ein Teil der nicht-militärischen Lösung sind. Sie wurden nicht dafür verhängt, um Schaden für Russland zu verursachen. Neben den Verhandlungen sind die Sanktionen wohl das einzige Instrument, das die EU im Friedensprozess anwenden kann.

Erker ist fest davon überzeugt, dass man den Dialog mit Russland nicht abbrechen darf und findet es falsch, dass der Russland-NATO-Rat wegen des Konfliktes abgeschafft wurde und Russland aus G8 ausgeschieden wurde. Gerade in den Krisenzeiten braucht man die Möglichkeiten für den Dialog.

3.Der Schutz und die Sicherheit  in Europa

Es liegt eine ungelöste Situation vor. Die schnelle Annektierung der Krim und das Vorgehen Russlands in der Ostukraine hat bei den Balten ein altes historisches Traumanta ausgelöst. Russland hat zwar kein Vorhaben, sich in die Angelegenheiten der baltischen Staaten einzumischen, doch die Angst ist da.

NATO hat darauf reagiert.  Die fünf NATO Staaten schickten 1000 Soldaten in die baltischen Länder, um die Rückversicherung (reinsurance) zu gewährleisten. Auch wenn Russland darauf empfindlich reagiert, sind diese Maßnahmen in den internationalen Verträgen verankert und damit legal. Deutschland betont immer, dass es mit seinen Handlungen im Rahmen des internationalen Rechts bleiben wird, auch wenn Russland gegen das internationale Recht verstoßen hat.

Die Militärübungen der NATO bleiben natürlich nicht ohne  Gegenmaßnahmen seitens Russlands. Russland hat neben Kaliningrad neue Schiff- und Flugzeugabwehrsysteme („Bastion“) positioniert. Beide Seiten organisierten immer größere Manöver, die zu Eskalationen führen können. Außerdem gefährden diese Manöver den Zivilluftraum, weil Flugzeuge beider Seiten ohne Transponder  starten, damit sie nicht erkannt werden.

Auch die aktuelle Situation in den USA beeinflusst die Friedensordnung in Europa. Trump stellte die Sicherheitsgarantie infrage, indem er die NATO als obsolet bezeichnete. Die Sicherheit der NATO-Mitglieder würde nach Tramp  von deren Investitionen abhängig sein. Die Baltische Länder, Polen und Rumänien sind ist das ein Ernstfall, weil sie nur darum in der NATO sind, um den Schutz von den USA zu erhalten.

4.Der Weg zu einer neuen Weltordnung

Nicht nur Russland hat Ansprüche auf die Rolle einer Weltmacht, sondern auch China. Die USA richten ihre Aufmerksamkeit nach Asien und versucht das Gegengewicht zu China zu schaffen. Dabei haben die USA die Verantwortung in Europa den anderen übergeben und aus internationaler Sicht haben sie sich aus der Sache zurückgezogen.

Man darf die heutige Rollen Chinas in der Welt nicht unterschätzen. China entwickelt ein neues Infrastrukturprogramm „Neue Seidenstraße“. Die Chinesen wollen neue Verkehrswege für andere Länder umsonst bauen und damit wollen sie die neuen Märkte öffnen, da  China an Überproduktion leidet.

China entwickelt sich somit zu einer eigenen Ordnungsmacht mit eigenem Wertesystem. Russland unterstützt auch die Idee der multipolaren Weltordnung. Aber mit seinen Plänen die Eurasische Union aufzubauen stößt Russland gegen Interessen Chinas.  Man kann also nicht sagen, dass China und Russland Verbündete sind.

Die Eurasische Union ist ein sehr ambitioniertes Projekt, das Europa nicht unterschätzen darf. Damit will Puten eine Freihandelszone etablieren, den geopolitischen Einfluss gewinnen und somit einen Gegengewicht zur EU schaffen.

Mit Hinblick auf alle diese Entwicklungen kann man sagen, dass wir auf dem Weg zu einer multipolaren Weltordnung sind. Dabei stellen sich zwei Fragen:

  • Was ist die Rolle der EU im Konzert der Mächte?
  • Wie werden sich die USA weiter verhalten?
Gernot Erler mit seinem Vortrag an der Ruhr-Universität Bochum (c) Maria Khavanova

Gernot Erler mit seinem Vortrag an der Ruhr-Universität Bochum
(c) Maria Khavanova

Rezension zu „Tschick“

Nizhnij Novgorod möchte von seiner Partnerstadt Essen Erfahrung im Umweltschutz übernehmen

Am 21. Januar 2017 besuchte die Delegation aus Nizhnij Novgorod  die Partnerstadt Essen. Der Anlass war diesmal die feierliche Eröffnung „Grüne Hauptstadt Europa – Essen 2017“.

Diese Zeremonie wurde zu  einem wichtigen politisches Ereignis.  EU-Kommissar für Umwelt Karmenu Vella, Bundesministerin für Umwelt und Naturschutz Barbara Hendricks, Europaminister des Landes NRW Franz-Josef Lersch-Mense sowie Umweltminister Johannes Remmel haben an der feierlichen Eröffnung der Grünen Hauptstadt Europas teilgenommen.

(c) http://www.gorduma.nnov.ru

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In den letzten Jahren wurden viele Projekte für Verbesserung der Luftsauberkeit, für Energieeffizienz, für Optimierung der Müllabfuhr, Renaturalisation des Flusses Emscher, eines der wichtigsten Flüsse im Ruhrgebiet sowie für Biodiversität, Reduzierung der CO2-Emissionen und Planung mehreren Grünanlagen. Alle diese Maßnahmen brachten der Stadt Essen den Titel der Grünen Hauptstadt Europas 2017.

Der Leiter der russischen Delegation, Vorsitzende der Kommission für Umwelt des Stadtrates N. Novgorod Mikhail Kusnetsov erzählt: „Ich habe Essen vor 22 Jahren besucht. Schon damals war es eine der modernsten europäischen Städte. Das, was Essen im Bereich des Umweltschutzes seit dieser Zeit erreicht hat, hat mich positiv überrascht. Früher war Essen unter der Städten mit größter Umweltverschmutzung in Deutschland. Heute kann man von Essen einiges lernen. Wir haben bereits einige Projekte für Naturschutz in Nizhnij Novgorod anvisiert. Besonders muss ich das wichtigste Prinzip der Umweltpolitik in Essen erwähnen: Projekte für Umweltschutz werden vorrangig finanziert.

In Russland ist das Jahr 2017 als Jahr des Umweltschutzes angekündigt.  Der Besuch nach Essen war für die russische Delegation eine gute Gelegenheit, um Ideen und Erfahrungen zu übernehmen.

(c) Essencitysuites.com

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Tagesablauf an Silvester in Russland

Väterchen Frost und Snegurotschka- Bei den kleinen sorgt Väterchen Frost dafür, dass die Wünsche erfüllt werden und bei den Großen der Gongschlag der Kremluhr zu Mitternacht.

 

Zu Silvester kommt die ganze Verwandtschaft zusammen, denn einer der größten Silvestertraditionen ist es zuhause mit der Familie zu Feiern. Die Frauen bereiten alle zusammen am Silvestermorgen das Essen vor, häufig Fleischspeisen und verschiedene Salate ganz beliebt der Oliver, dass auf keinen Fall fehlen darf. Die Männer sorgen eher für den rustikalen Teil und bauen im großen Saal die Tafel auf und stellen die Tische. Gegen Nachmittag geht man häufig noch vor dem Essen in die Banja, um den Körper und die Seele zu reinigen, dies soll ein guter Vorsatz für das neue Jahr sein.  Jeder zieht sich fein für den Anlass an und macht sich fertig für das Abendessen. Am Tisch mit der Familie geht man das ganze Jahr nochmal durch und macht einen Rückblick in Sicht der Sachen, was gut, weniger gut verlaufen ist und welche Pläne man für die Zukunft hat. Ein ganz besonderer Unterschied ist, dass deutsche Kinder an Weihnachten beschenkt werden und russische öffnen ihre Geschenke an Silvester unter der Jolka (russisch: Tannenbaum). Die Kinder schreiben ihren Wunschzettel an Väterchen Frost und sind im Glauben, dass er wirklich existiert, denn die Eltern planen die Geschenkevergabe und weihen sogar die Nachbarn mit ein, denn es soll als eine Art Heimlichkeit bewahrt werden. Im Laufe des Tages werden viele Silvester-Tv- Klassiker ausgestrahlt, wie z.B „Ironie des Schicksals“, bis der Fernseher kurz vor Mitternacht sogar ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerät. Der Präsident hält auf allen Kanälen seine Neujahrsansprache. Sobald die Kremluhr zwölf Mal schlägt, fangen die Russen an ihre sehnlichsten Wünsche zu flüstern oder schreiben diese auf einen Zettel, zünden ihn an und versenken die Asche im Sektglas, dann sollen die Chancen ganz hoch liegen, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird. Um 1:30 trifft sich ganz Russland an der nächst gelegenen Jolka, dort werden Akkorde gespielt, zusammen getanzt, gegessen und getrunken. Gegen zwei Uhr wird ein städtisches Feuerwerk veranstaltet und danach kehrt man zurück nachhause. Üblicher Weiße ziehen danach die Jugendlichen mit ihren Freunden los und feiern nochmal richtig zusammen bis zum frühen Morgen es heißt „nicht das Ende, sondern nur der Anfang“.

Quelle: Moskauer Deutsche Zeitung

http://mdz-moskau.eu/silvester-in-russland/

Väterchen Frost und Snegurotschka  (c) www.tiere-aus-russland.de

Väterchen Frost und Snegurotschka
(c) www.tiere-aus-russland.de

2768675 31.12.2015 Жители Москвы во время празднования Нового года на Патриаршем мосту. Наталья Селиверстова/РИА Новости

2768675 31.12.2015 Жители Москвы во время празднования Нового года на Патриаршем мосту. Наталья Селиверстова/РИА Новости (c) Moskauer Deutsche Zeitung

Über weitere Traditionen haben wir noch paar Artikel vorbereitet:

Frohe Adventszeit http://www.dra-ruhr.com/?p=8819

Swjatki: Sternsingen in Russland http://www.dra-ruhr.com/?p=8841

Swjatki: Sternsingen in Russland

Swjatki werden ab dem russischen Weihnachten (07.01) zwölf Tage lang bis zu dem 19.01 dem sogenannten „Taufentag“  ziemlich bunt gefeiert und mit „unzähligen mystischen Traditionen verbunden“.

 

(c)  nicstyle.ru

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Swjatki wird von der russischen Bevölkerung als das längste und beliebteste Fest des Jahres wahrgenommen. Es ist eine Zeit in der alle die Arbeit beenden und sich endlich erholen. Nach und nach entwickelten sich viele interessante Traditionen, wie z.B das bis heute bekannte Sternsingen. Auffällig ist, dass eine Art Generationswechsel stattgefunden hat „Früher waren die Sternsinger Kinder, jetzt sind es eher ältere Leute“, sagte Warwara Dobrowolskaja vom Staatlichen Volkskundezentrum.  Spricht man von der Zeit Swjatki fällt oft der Begriff „Gott sei bei uns“ oder auch „Wenn Teufel Zicken machen“. Bis zum zweiten Weltkrieg vertauschten alle zu dieser Zeit ihre Kleidung, sie wickelten sich in Felle von Haus- oder Wildtieren, trugen Pelzmäntel verkehrt herum oder setzten sich Pelzmützen mit Hörnern auf und gingen so Sternsingen. Das Sternsingen wird auch noch mit vielen weiteren Traditionen verbunden, zwei davon sind die Maskerade und der Schelmenstreich.  Dabei verkleiden sich die Mutigsten mit fremder Kleidung: „Männer mit Frauenkleidung, Frauen mit Männerkleidung“, es ähnelt also einem Maskenball. Waren die Bewohner des Hauses gastfreundlich, nett und gaben gute Geschenke, so wünschten die Sternsinger Gesundheit und Wohlstand. Sind sie unfreundlich und behandeln die Sternsinger abweisend, rächten sich die Sternsinger und sperrten die Tür mit einem Besen zu oder zogen die Zauntür weg. Holzstapel zum Spaß abbauen oder Fuhrwerke um parken zählen bis heute noch zu den beliebtesten Streichen. Eine der wenigen Traditionen, die auch noch von Städtern praktiziert wird, jedoch sehr beliebt in den Swjatki ist, ist die Wahrsagerei. Dabei wollen junge Frauen mehr darüber erfahren, wen sie später einmal heiraten werden. Anastassija Mamajewa aus Sergijew Possad berichtete, wie sie in einer leeren Wohnung die Wahrsagerei mit anderen Mädchen im Alter von 15 Jahren durchführte: „Alle hatten Angst, mit zwei einander gegenübergestellten Spiegeln einen Korridor zu formen und dort hinzuschauen, um in die Zukunft zu sehen. Ich habe mich getraut und einmal das Gesicht eines Mannes erblickt, der meinem heutigen Gatten sehr ähnlich sah, das muss ich schon sagen.“

08.01.2009.-Russia.Novgorod. Christmastide - the festival season from Christmas Eve till after New Year's Day. Festival devoted to Christmastide in Novgorod the Great is usually held near the Vitoslavlitsy Museum of Wooden Architecture. (c) oren.aif.ru

08.01.2009.-Russia.Novgorod. Christmastide – the festival season from Christmas Eve till after New Year’s Day. Festival devoted to Christmastide in Novgorod the Great is usually held near the Vitoslavlitsy Museum of Wooden Architecture.
(c) oren.aif.ru

Quelle: Moskauer Deutsche Zeitung http://mdz-moskau.eu/swjatki/

Wintertradition für mutige

Morgen feiert man in Russland den sogenannten „Taufetag“ (Крещение). Das ist in  erster Linie ein christlicher Festtag, gehört mittlerweile aber  zur Kultur Russlands, weil dieser Tag mit einigen interessanten Traditionen verbunden ist. Diese Bräuche pflegen auch nichtreligiöse Menschen (nach meiner Erfahrung).

Die russisch-orthodoxe Kirche feiert an diesem Tag die Taufe Jesus Christus im Wasser des Jordan. Die gläubigen und auch die nichtgläubigen, die aus Neugier und Interesse dieser Tradition folgen müssen am 19. Januar ins Wasser tauchen, um ihre Seelen zu reinigen.  Sie können sich vorstellen, dass am 19. Januar das Wasser in russischen Flüssen ein bisschen kälter ist, als im Jordan! Die meisten Flüsse sind sogar zugefroren. Man macht deswegen ein Eisloch in Form eines Kreuzes. Die Mutigen tauchen dann in das eiskalte Wasser. Man behauptet, dass man danach nicht krank wird, weil das Wasser an diesem Tag besondere Eigenschaften hat. Wer nicht so mutig ist, holt das Wasser in Flaschen aus der Kirche. Dieses Wasser ist genauso heilig. Man glaubt, dass es besonders lange hält. Man kann das Wasser trinken oder sich waschen.

Dafür, warum Menschen ihre Seelen  am „Taufetag“  in alten Zeiten reinigen mussten, gibt es noch ein Grund. Die Zeit zwischen Weihnachten (7.Januar) und dem Taufetag heisst Swjatki. In dieser Zeit haben Menschen Wahrsagerei betrieben. Und beim Sternsingen verkleideten sich manche wie Teufel oder Hexen. Diese Bräuche stammen aus dem Heidentum. Die Kirche begrüßte sie zwar nicht, aber sah dies durch die Finger. Nach Swjatki kam die Zeit sich von diesen Sünden zu reinigen.

Der Brauch des Taufetages wird auch heute praktiziert. Für einige ist das ein Ritus mit einer tiefen Bedeutung, für andere eher eine extreme Wintersportart.

(c)amic.ru

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Frohe Adventszeit!

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und der erste Advent ist vorüber. Es weihnachtet langsam und bald brennt schon die zweite Kerze. Aber was ist Weihnachten ohne den Duft von feinen Plätzchen in der Luft? Entdecken Sie feine russische Backrezepte für das Weihnachtsfest!

Traditionell wurden in Russland zu Weihnachten hausgemachte Kuchen, Plätzchen und Brot gebacken. Weihnachtsspezialitäten waren immer besonders köstlich – schön verziert, mit Duft von Gewürzen… Auch heute sind diese Rezepte sehr beliebt. Denn wenn der süße Duft von Plätzchen in der Luft liegt, ist Weihnachten nicht mehr weit. Passend zur Jahreszeit möchten wir mit Ihnen Rezepte für russische Kosuli und Koljadki teilen.

Ursprünglich galten die Plätzchen Kosuli als eine nationale Delikatesse der Bewohner der nordrussischen Hafenstadt Archangelsk, die sie aber nicht nur zu Weihnachten buken. Erst später wurden Kosuli von Völkern des Polargebiets Murmansk und des Uralgebirges übernommen. Heute werden Kosuli  als eine Art Lebkuchen betrachtet.

Traditionelle Kosuli wurden in verschiedenen Tierformen gebacken, sei das Ziegen, Kühe, Schafe, Hirsche, Enten, Gänse oder Hühner. Solche Figuren von Tieren und Vögeln galten als Schutzamulette gegen Krankheiten und Unheil. Kosuli waren außerdem ein gutes Geschenk für Verwandte und Gäste. Es wurde geglaubt, dass wenn eine junge Frau zu Weihnachten Kosuli bäckt und sie einem jungen Mann schenkt, wird sie im gleichen Jahr heiraten.

Genießen Sie die Wehnachtstimmung mit uns und lassen Sie sich diese russischen Plätzchen schmecken!

Rezept für Kosuli
Zutaten:

  • 2 Glas Zucker
  • 1 Glas Honig
  • 1 Kilo Mehl
  • 100 Gramm Butter
  • 2 Glas Wasser
  • Würzmischung (Zimt, gemahlene Nelke, Muskatnuss, Kardamon)

Zubereitung

  1. Honig, Zucker und warmes Wasser in einem Topf mischen und zum Kochen bringen. Gelegentlich umrühren und auf mittlerer Hitze kochen, bis die Mischung braun wird. Kühlen.
  2. 1 EL. Gewürze und Butter in die warme Mischung zugeben. Rühren, bis die Butter schmilzt. Dann das Mehl zugeben, den Teig kneten und in der Kälte ruhen lassen.
  3. Den abgekühlten Teig ausrollen und ausschneiden.
  4. Backblech mit Backpapier auslegen, mit Butter bestreichen und die Kosuli darauflegen.
  5. Bei 200 Grad im Laufe von 10 Minuten backen, bis die Kosuli golden werden.
  6. Kosuli mit Glasur dekorieren oder mit Zucker bestreuen.

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Rezept für Koljadki
Zutaten:

  • 400 Gramm Roggenmehl
  • 400 Gramm Füllung (nach Belieben: Hackfleisch, Pilze, Käse, Quark, Marmelade oder frische Beeren)
  • 150 Milliliter Wasser

* Wenn Sie etwas süßer mögen, fügen Sie etwas Zucker in den Teig hinzu.

Zubereitung:

  1. Aus Mehl und Wasser ungesäuerten Teig kneten.
  2. Den Teig  ausrollen und Quadrate schneiden. Die Kanten der Quadrate wie „Briefumschläge“ falten.
  3. Die Füllung die „Briefumschläge“ legen und auf ein Backblech legen.
  4. Bei 180 Grad im Laufe von 10-15 Minuten backen.

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Guten Appetit und frohe Adventszeit!

Young-Leader Seminar 2016 in Essen und Dortmund

„Unsere Welt in Bewegung – Demografischer Wandel, Flüchtlinge und Integration“ – unter diesem Motto verlief in Essen und Dortmund das 46. Young-Leader Seminar des Deutsch-Russischen Forums e.V..  Von 14. bis 18. November diskutierten Teilnehmer aus Russland und Deutschland zu vielfältigen aktuellen Themen: von sozialen Innovationen und demografischen Veränderungen in den MENA-Ländern bis Immigration aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion und Visionen für deutsch-russische Beziehungen 2017.

Nach einer Vorstellungrunde am 14. November und einem inhaltsreichen zweiten Tag wurde am 16. November über Migration und Integration besprochen. Dem Grußwort der Projektmanagerin aus der Stiftung Mercator Ann-Kristin Montido sowie des Ehrenvorsitzenden des Deutsch-Russischen Forums Dr. Ernst-Jörg von Studnitz folgte ein Vortrag vom Vertreter des dem Auswärtigen Amts Mirko Kruppa zum Thema „Die Rolle von Migration und Identität im deutsch-russischen Verhältnis“. In seinem Vortrag betonte der stellvertretende Referatsleiter für Kultur,- und Bildungsbeziehungen zu Russland, Ukraine, Kasachstan, Belarus und Moldau, dass Migration auch die neue Identitätsbildung bedeute. So erwähnte Mirko Kruppa in seinem Vortrag die Russlanddeutschen: In der Sowjetunion bzw. Russland waren sie nicht immer gut integriert, haben aber auch in Deutschland keine Willkommensgesellschaft erlebt, woraus eine Art „doppelte Identität“ etwickelt wurde. An ihren Fallbeispielen äußerte Mirko Kruppa die Idee, die „doppelte“ Selbstidentität nicht als Nachteil, sondern als eine Besonderheit anzusehen. So könne Europa eine europäisch-solidarische Heimat schaffen, die Herkunft achtet und trotzdem europäische Identität lebt.

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Von links nach rechts: Mirko Kruppa (Auswärtiges Amt), Dr. Ernst-Jörg von Studnitz (Botschaftler a.D., Ehrendvorsitzender des Deutsch-Russischen Forums), Ann-Kristin Montido (Stiftung Mercador).

Gleich danach präsentierte preisgekrönter Dokumentarfilmemacher Jakob Preuß Abschnitte seines neuesten Filmprojekts „Als Paul über das Meer kam„, der vom ursprünglichen Projekt über die Außengrenzen der Europäischen Union zur Geschichte über Freundschaft und Menschlichkeit wurde. Die widerspruchsvolle und wahre Geschichte Pauls, eines Kameruner Migranten, den der Filmemacher auf seiner Reise begleitet hat,  ließ niemanden unberührt.

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Dokumentarfilmemacher Jakob Preuß beantwortet zahlreiche Fragen der Seminar-Teilnehmer über sein Werk „Als Paul über das Meer kam“.

Am Nachmittag fand eine Gesprächsrunde im Rathaus statt, zu der einige Vorstandsmitglieder der Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnung e.V. sowie Zivilleistenden, Studenten und Praktikanten aus der russischen Partnerstadt Essens – Nischni Nowgorod – eingeladen wurden.

Von Andrea Schmidt aus der Stabsstelle Internationale Beziehungen der Stadt Essen bekamen die Teilnehmer Einblick in die Geschichte des langjährigen Jugendaustauschs zwischen Essen und seinem russischen Partner. So organisiere Essen seit 1993 einmal pro Jahr ein internationales Jugendtreffen, zu dem Nischni Nowgorod junge Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen immer schicke. 2016 habe es auch in Nischni Nowgorod  einen Jugendaustausch gegeben. Unter dem Thema „Symbole“ ging es darum, was junge Menschen im Ost und West, in Russland und in Deutschland verbindet.

Solche Jugendtreffen sind aber nicht die einzelne Gelegenheit, sich international auszutauschen. So wurde das Wort den Vorstandsmitgliedern der Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnung Essen gegeben, die seit 26 Jahren Austausch und Freundschaft unter dem Dach der Städtepartnerschaft fördert und zu einem wichtigen Ansprechpartner in deutsch-russischen Angelegenheiten geworden ist. Mit Ihrem Engagement unterstützt die Gesellschaft Kontakte  zwischen Essen und Nishni Nowgorod in verschiedenen Bereichen, sei das Kultur, Ausbildung, Medizin oder Zivildienst. Freiwilliges Soziales Jahr, Pressepraktikum, Au-pair – um nur einiges zu nennen.  Bei der Gesprächsrunde waren auch zwei Studentinnen aus der Lobatschewskij Universität Nischni Nowgorod anwesend, die sich aktuell als Freiwillige in Essen einbringen. Das freiwillige soziale Jahr in Essen sei für sie eine wunderbare Gelegenheit, Einblicke in die Realität Deutschlands und viel unerlässliche Erfahrung zu bekommen und sich damit einen wichtigen Baustein in ihrem Leben zu machen.

Freiwillie aus Nischni Nowgorod Evnegia Orlova mit Vorstandsmitgliedern der Geselllschaft für deutsch-russische Begegnung – Alexander Meyer und Irina Ninaber.

Der Ehrenvorsitzender des Deutsch-Russischen Forums e.V. Dr. Ernst-Jörg von Studnitz dankte dem Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen für das „außerordentlich lebendige Gespräch mit der Verwaltung und Vertretern der Deutsch-Russischen Gesellschaft“. Das habe ein wunderbares Bild vom enormen Engagement gegeben. „Es gibt nicht so viele Städte, die in der Ständepartnerschaft so aktiv sind, wie Essen“.  Er betonte außerdem die Wichtigkeit des Bürgerengagements, das  die Beziehung gestaltet: „Das hat mir bewiesen, wie sehr die Qualität der Beziehungen zwischen Deutschland und Russland im Grunde abhängig davon sind, was auf der Basis geschieht. Auf der hohen Ebene gibt es im Moment erhebliche Störungen, aber ich bin beruhigt, und fühle mich ermutigt, dass auf der menschlichen Ebene es immer noch funktioniert, dass sich die Deutschen und die Russen treffen, dass sie miteinander in einer zivilisierten Weise umgehen, und dass sie miteinander umgehen wollen. Dass da das große Bedürfnis besteht zur gegenseitigen Begegnung, zum Austausch und zum Gespräch miteinander, sich intensiver kennenzulernen. Das alles ist von außerordentlich großem Wert. Das ist das, was die Deutsch-Russische Begegnung wirklich auszeichnet und charakterisiert. Und wenn das funktioniert, dann wird alles auf der hohen Ebene gut.“

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Dr. Ernst-Jörg von Studnitz : „Die Stadt Essen hat sich in das Verhältnis mit Nischni Nowgorod wie ein wirklicher Pfeiler der Deutsch-Russischen Beziehungen eingebracht“.

Abschließend betonte der Oberbürgermeister Thomas Kufen, Nischni Nowgorod sei die lebendifste Partnerschaft Essens: „Es ist uns gelungen, ein breites Engagement zwischen Bürgerinnen und Bürgern zu organisieren. Wir sind sehr stolz darauf, dass unabhängig von der Politik sich die Menschen begegnen“.

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Thomas Kufen: „Wir werden alles tun, damit diese Brücke zwischen Deutschland in Russland, Essen und Nischni, weitergebaut wird“.

Das 46. Young-Leader Seminar des Deutsch-Russischen Forums wurde also zu einem Erfolg. Es zeigte ein großes Interesse der Jungen Teilnehmer, im Gespräch miteinander zu bleiben und bildete eine gute Plattform für den weiteren Meinungsaustausch.

Russische Delegation aus Nischnij Nowgorod besucht Essen

Zum Ausklang des Jubiläumjahres der Partnerschaft Essen-Nischnij Nowgorod empfing Essen vom 9. bis zum 14. November die Delegation aus Nischnij Nowgorod. Dies war bereits das zweite Zusammentreffen der Partnerstädte innerhalb von vier Wochen. Erst am 13. Oktober war Oberbürgermeister Thomas Kufen zu einer Reise nach Nischnij Nowgorod aufgebrochen, wo unter anderem der Besuch des Städtefests auf dem Programm stand. Begleitet wurde er von der Vorsitzenden der Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnung Essen, Barbara Lachhein, Michael Theisen von der Stabsstelle Internationale Beziehungen der Stadt Essen und zwei Mitgliedern des Rates der Stadt Essen. Ein Höhepunkt des Aufenthalts war die Verleihung des Ehrenpreises der Stadt Essen an fünf Frauen für ihr Engagement beim Aufbau der deutsch-russischen Freundschaft. (Quelle)

Beim jetzigen Gegenbesuch in Deutschland ehrte Sergey Belov, Stadtdirektor Nischnij Nowgorods,  im Rahmen des Stadtempfangs am Donnerstagabend (10.11.) im Rathaus Personen, die sich auf deutscher Seite um die Freundschaft zwischen Essen und Nishnij Nowgorod besonders verdient gemacht haben. „Menschen, die zum Wachsen der Verbundenheit unserer Städte beigetragen haben – denn neben den offiziellen Kooperationen konnte nur durch diese Menschen unsere Städte-Freundschaft, der vertrauensvolle und respektvolle Umgang, den wir nun schon seit 25 Jahren miteinander pflegen, gedeihen“, waren sich die Essener Verwaltungsspitze und der russische Stadtdirektor einig. „Wir wollen weiterhin voneinander lernen und den Austausch auf Verwaltungsebene intensivieren.“ (Quelle)

Zum Programm der fünftägigen Reise ins Ruhrgebiet gehörte unter anderem der Besuch des Aalto-Theaters, eine Stadtrundfahrt durch Essen, der Besuch der Prinzipiade zur Proklamation des neuen Stadtprinzenpaares, eines Konzerts im Museum Folkwang sowie eine Kranzniederlegung auf dem Terrassenfriedhof.

10.11.2016

Am 10. November haben Oberbürgermeister Thomas Kufen und Sergey Belov an der Meyer-Schwickerath-Straße im Universitätspark eine Sandbirke gepflanzt. „Die Birke wird in vielen Gegenden Osteuropas als Symbol der Jugend verehrt. Für die schon 25 Jahre währende, noch jugendliche, aber doch erwachsene und vor allem weiter wachsende Freundschaft zwischen unseren Städten ist die Sandbirke ein ideales Symbol“, befand das Essener Stadtoberhaupt. Der „Baum des Jahres 2000“ mit der charakteristischen weißen Rinde kann bis zu 120 Jahre alt und 30 Meter hoch werden. Die Sandbirke, die von der Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnung Essen e.V. gestiftet wurde, soll, parallel zur Freundschaft zwischen Essen und Nischnij Nowgorod, in den nächsten Jahren stetig wachsen. (Quelle)

12.11.2016
Am 12. November besuchten die Gäste gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Kufen die Prinzipiade zur Proklamation des neuen Stadtprinzenpaares, wo die russischen Vertreter des Komitees für außerwirtschaftliche Beziehungen der Regierung Nischnij Nowgorods  mit Karneval-Auszeichnungen geehrt wurden.

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Essener Karneval 2016: Seine Tollität Prinz Oliver I. & Ihre Lieblichkeit Prinzessin Assindia Sandra II. verleihen Karneval-Auszeichnungen an Vertreter des Departements für außerwirtschaftliche und interregionale Beziehungen der Regierung Nischni Nowgorods – Elena Mischina und Dmitrij Nikischin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

13.11.2016
Am Sonntag fand in im Museum Folkwang ein Klavierkonzert statt, was der Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnung Essen zu verdanken ist. Vom Essener Pianisten, Professor Thomas Günther, wurden Werke russischer Futuristen aufgeführt – Igor Strawinky, Alexander Skrjabin, Nikolaj Obouchov, Nikolaj Roslavetz, Arthur Lourie und Alexander Mosolow. Unter viele geehrten Gästen dieses einzigartigen Konzerts war auch Essener Bürgermeister Franz-Josef Britz, der das Publikum mit einem Grußwort ansprach.

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Die Vorsitzende der Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnung Essen, Barbara Lachhein, spricht das Grußwort.

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Grußwort des Essener Bürgermeisters Franz-Josef Britz.

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Professor Thomas Günther, Meiserpianist von der Folkwang Universität der Künste, spielt Werke von Protagonisten des russischen Futurismus.

Am Nachmittag fand auf dem Terrassenfriedhof die Kranzniederlegung, wo die russische Delegation gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Kufen den Opfern von Krieg und Verfolgung bedachte.

Nach fünf Tagen mit Essener Freunden flogen die russischen Gäste am 14. November wieder nach Nischnij Nowgorod, mit neuen Ideen für weitere gemeinsame Projekte und Zusammenarbeit. Schon jetzt lässt sich aber sagen: dieser Besuch hat gezeigt, dass die Freundschaft auch über die Grenzen hinaus gehen kann. Selbst die Städtefreundschaft. Das 25. Jahr ihres Bestehens zwischen Essen und Nischnij Nowgorod ist ein guter Beweis dafür.

Internationales Jugendforum Berlin: Die Rolle der Jugenddiplomatie

Im Rahmen des deutsch-russischen Forums „Die Rolle der Jugenddiplomatie: Entwicklungsaussichten der deutsch-russischen Beziehungen“ wurde in Berlin die Bedeutung des Jugendaustauschs besprochen.

Von allen Teilnehmern wurde betont, die Volksdiplomatie sei der einzelne Weg, die innerstaatlichen Beziehungen in schwierigen Zeitperioden zu stärken. Probleme in Beziehungen zwischen Deutschland und Russland, die im politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Bereich aufkamen, bestätigen wieder die Notwendigkeit, sich für eine enge Zusammenarbeit der Bürgergesellschaften beider Seiten zu bemühen.

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Zwei Generationen: Erfahrung und Jugend. Das Ziel ist aber gleich – Verständigung zwischen Deutschland und Russland.

Der Rolle der Jugend wurde eine besonders große Bedeutung beigemessen 

Die Liste der Vortragenden sah beeindruckend aus: die jungen Menschen wurden u. a. vom russischen Botschafter in Deutschland Vladimir Grinin, vom Leiter der CDU / CSU im Bundestag Bernhard Kaster sowie vom Sondervertreter des Präsidenten der Russischen Föderation für internationale und kulturelle Zusammenarbeit Michael Schvidkoy angesprochen.

Während der Diskussionen wurden viele Vorträge gehalten: von aktiven Bundestagsmitfiedern Tobias Zech (CSU) und Franz Thönnes (SPD); von russischen Wissenschaftlern Vladislav Belov (Stellvertretender Direktor des EIRAW, Leiter des Zentrums für Deutschlandforschungen), Dr. rer. pol. habil. Viktor Vasiljev (wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Wissenschaft und internationale Beziehungen EIRAW), Natalia Maslakova-Glauberg (Leiterin des Zentrums für Weltkulturen, Professorin Diplomatic Academy of the Ministry of Foreign Affairs of the Russian Federation), Natalia Govorova (Leiterin des Zentrums für vergleichende sozial-ökonomische Forschung, EIRAW), Ekaterina Timoshenkova (Stellvertretende Leiterin des Zentrums für Deutschforschungen, EIRAW); von Vertretern der Zivilgesellschaft Larissa Yurchenko (Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der russichsprachigen Institutionen in Deutschland), Martin Hoffman (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied Deutsch-Russisches Forum e.V.), Thomas Hoffman (Geschäftsführer der Stiftung DRJA), Vitali Krusch (Vorsitzender des Jugendparlaments zwischen den Städten Bonn und Kaliningrad); von Leitern föderaler und nichtstaatlicher Jugendorganisationen Dina Sokolowa, Grigorij Petushkov, Alexej Lubzov sowie Publizisten und Journalisten Hauke Ritz, Marine Voskanyan, Artjom Lysenko, Evgeniya Sayko, Julia Bryk u.a.m.

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Auf dem Bild von links nach rechts: Natalia Maslakova-Glauberg, Michail Schwydkoi, Tobias Zech, Oleg Zinkovski, Elena Erakina, Franz Thönnes, Grigorij Petushkov, Alexej Lubzov. (c)russkoepole.de

Die Veranstaltung wurde möglich dank der Initiative und der großen Organisationsarbeit des Bundesverbandes der russischsprachigen Institutionen und des Deutsch-Russischen Forums e.V., des Allgemeinen deutschen Koordinationsrates der russischen Landsleute und mit der Unterstützung der Russischen Botschaft in der BRD, der deutschen Vertretung der Föderalagentur für Angelegenheiten der GUS, für Fragen der im Ausland lebenden Landsleute und für internationale humanitäre Zusammenarbeit „Rosssotrudnitschestwo“  sowie der Stiftung „Russkij Mir“.

Eröffnet wurde das Forum von Larissa Yurchenko, der Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbandes der russischsprachigen Institutionen in Deutschland.

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In der Mitte: Larissa Yurchenko, dieVorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der russischsprachigen Institutionen in Deutschland. (c)russkoepole.de

Die Hauptzielgruppe, die die maßgebenden Vertreter zweier Länder angesprochen haben, waren in Deutschland lebende junge Menschen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren. Ein Teil von ihnen sind russischsprachige Landsleute, die entweder in Deutschland geboren wurden, oder nach Deutschland mit ihren Eltern aus dem postsowjetischen Raum eingewandert waren.  Die zweite Gruppe waren einheimische Deutsche, die Interesse an Kontakten mit ihren russischen Altersgenossen haben. Eine weitere Gruppe waren die Jugendlichen, die zum Forum aus Russland gekommen sind.

Alle jungen Teilnehmer des Forums sind engagierte und erfahrene Mitglieder deutscher und russischer gesellschaftlicher Einrichtungen. Ein großer Teil von ihnen sind Organisatoren internationaler Projekte, die die Jugendlichen Deutschlands und Russlands verbinden. Die Themenpalette ist sehr vielfältig: Kultur, Umwelt, Sport, Recht, Freiwilligendisnst, Wohlfahrt u.a.m.

Für den Koordinationsrat der russischen Landsleute in Deutschland sei die Arbeit mit den Jugendlichen und die Unterstützung der Jugendprojekte einer der Schwerpunkte. Zu betonen ist, dass derartige Jugendveranstaltungen von Ratmitgliedern jährlich organisiert werden –  auf regionaler, gesamtdeutscher, europäischer und internationaler Ebene. Der Rat verinigt mehr als 400 Organisationen in Deutschland, die auf die Arbeit mit Kindern und Judendlichen gezielt sind und viel Erfahrung hinter sich haben.

In traditionellen deutschen Organisationen wird der Arbeit mit der jüngeren Generation auch die größte Bedeutung beigemessen. Hier lässt sich sagen, dass die russischsprachigen Gesellschaften die Arbeit der deutschen Zivilgesellschaft harmonisch ergänzen, zu der sie auch gehören.

Probleme und Hoffnungen

Kann man mit erzielten Ergebnissen zufrieden sein? Im Prinzip schon – der Jugendaustausch hat schon eine starke Tradition. Die Jugendlichen aus Russland und Deutschland erklären sich bereit, sich zu treffen  und für sich neue, unerforschte Seiten des Lebens im anderen Land zu entdecken.

Aber es gibt Faktoren, die Arbeit in Austauschprojekten erheblich erschweren. Vor allem seien das Visabestimmungen, die die Kommunikation zwischen beiden Ländern hemmen. Insbesondere betrifft das die russische Seite. Um ein einfaches Beispiel zu geben: Beim Beantragen des deutschen Visums sollen die Fingerabdrücke abgenommen werden. In Deutschland, wo die Strecken nicht so lang sind, ist dies schwierig, aber lösbar. Was bleibt aber Schülern aus russischen Provinzen übrig?

Auf dem Forum wurde die Geschichte von Schülern aus Jakutien (einer Republik im nordöstlichen Teil des asiatischen Russlands) erzählt. Um das Visum zu beantragen, sollen diese  nach Nowosibirsk (die größte Stadt Sibiriens) fahren. Das macht schon eine ganze Reise aus, kostet viel Zeit und Geld und macht kaum Spaß. Das heißt, der Jugendaustausch kann bei solchen Hürden nicht zum Massentrend nicht werden.

Zweites. Finanzieren russisch-deutscher Jugendprojekte

Kreative, sehr wichtige und interessante Ideen gibt es genug. Zu derer Umsetzung stellt aber Russland zu wenig Geld bereit – im Vergleich, beispielsweise, zum Unterstützungsvolumen deutsch-französischer oder deutsch-polnischer Jugendaustauschprogramme (am ersten Platz sind hier US- und kanadischen-deutsche Jugendaustauschprojekte). Es ist klar, dass die Investitionen in die Zukunft die profitabelsten sind.

Drittes. Das Image beider Länder wird beiderseitig verschlechtert. Dies wirkt sich auf die Entscheidung beim Aussuchen des Austauschlandes.

Viertens: sprachliche Hürden. Das Interesse an der deutschen Sprache in Russland habe abgenommen. Was die russische Sprache in Deutschland angeht, bestehe es eine geringe Motivation der Lehrenden,  fast vollständige Abschaffung des zweisprachigen Unterrichts in Schulen, Verschlechterung des Bildes von Russland sowie die Russophobie in den deutschen Medien.

Die Wege zur Lösung dieser Probleme sei eine offene Frage, die vor allem vom Engagement und Interesse der Politiker beider Länder abhängt. Die Jugend hat wiederum genug Interesse, was auch auf dem Forum nochmals bestätigt wurde.

Nicht umsonst wurde mehrmals die Aktualität und die Notwendigkeit des Jugendaustauschs betont – das Schicksal der Welt liege in den Händen der jungen Menschen. Sie, als eine junge, neugierige, offene und von Vorurteilen freie Generation, haben die lange jahrhundertealte Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen fortzusetzen.

Auch heute, trotz der schwierigen politischen Lage und der politischen Krise, weisen die Jugendlichen ein großes Interesse an der Kommunikation miteinander. Die Aufgabe, die angewandten Probleme zu lösen und den Jugendaustausch zur Massenbewegung zu machen ist im Rahmen des offiziellen Jugendaustauschjahres zwar unlösbar. Ist aber der erste Schritt in diese Richtung.

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Kranzniederlegung im Treptower Park (c)russkoepole.de

Text im Original auf Russisch: russkoepole.de