„Danke, Viktor!“

Anlässlich des 70. Jahrestages der Kapitulation Deutschlands im zweiten Weltkrieg, interviewte Christine Holch Veteranen der Roten Armee für das Magazin Chrismon:

„Danke, Viktor!“

„Russen und Deutsche verbindet gemeinsames ’nie wieder'“

Ein Artikel von Julia Smirnova zum Besuch von Außenminister Steinmeier in Wolgograd anlässlich des 70. Jahrestages des Kriegsendes, erschienen auf welt.de:

Russen und Deutsche verbindet gemeinsames „nie wieder

 

 

 

 

„Eine sichtbare Verbesserung des Investitionsklimas, eine Stärkung der Innovationskraft und eine Diversifizierung der russischen Wirtschaft sollten weiterhin auf der Agenda stehen“ – Dr. Julia Bryk sprach mit Dr. Volker Baumstark über die russische Wirtschaft

„Zwischenmenschliche Probleme sehe ich eigentlich nicht“ – Karl-Heinz Merfeld über seine Erfahrungen mit Russland

Frau Dr. Julia Bryk, freie Journalistin und Social Media Redakteurin, befragte Karl-Heinz Merfeld, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Köln, zu seinen Erfahrungen mit Russland.

 

J.B.:    Waren Sie schon einmal in Russland und wenn ja, wo?

K.M.:   Ich war zweimal in Russland, einmal in Moskau für ein paar Tage zum Besuch einer Reisemesse und vor einigen Jahren als Teil einer Delegation in der Kölner Partnerstadt Wolgograd.

J.B.:    Was hat Sie am meisten beeindruckt?

K.M.:   Die Freundlichkeit und die Offenheit der Menschen. Die Bauwerke, Denkmäler und Kirchen. Der Kreml, die riesige Statue Mutter Heimat in Wolgograd, die tatsächlich blaue Wolga und der riesige Soldatenfriedhof von Rossoschka.

J.B.:    Haben Sie russische Freunde? Wie sind die Russen als Menschen?

K.M.:   Ja, ich bin mit einigen Russinen und Russen befreundet. Das ist ja auch nicht schwer, denn Gastfreundschaft, Großzügigkeit, Herzlichkeit und auch das Interesse an Deutschland habe ich bei allen kennengelernt.

J.B.:    Wo sehen Sie Schwierigkeiten für die deutsch-russischen Beziehungen?

K.M.:   Zwischenmenschliche Probleme sehe ich eigentlich nicht und auch auf der kommunalen Ebene und der der Städtepartnerschaften gibt es keine Schwierigkeiten. Oftmals wissen Russen und Deutsche nicht genug voneinander und es existieren noch alte Vorurteile. Aber nicht jeder Russe trägt immer Pelzmütze, trinkt den ganzen Tag Wodka und tanzt mit Bären. Und nicht jeder Deutsche trägt Lederhause, trinkt Bier aus Krügen und fährt einen Panzer oder einen Mercedes.

Wo es derzeit leider hakt ist die „große Politik“. Der Ukraine-Konflikt, die Krim-Annexion, der Wirtschaftsboykott oder die Ausgrenzung vom G8-Treffen hat zu Unsicherheiten und Misstrauen geführt.

J.B.:    Was muss man tun um diese zu überwinden?

K.M.    Ich hoffe auf eine baldige Beruhigung des Ukraine-Konflikts und eine Verständigung zwischen Präsident Putin und Bundeskanzlerin Merkel. Das schafft dann wieder Vertrauen und dies ist dann der Nährboden auf dem beide Völker wieder näher zueinander finden können. Das wäre für beide gut.

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Karl-Heinz Merfeld, seit 2007 Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung war vorher vier Jahre Geschäftsführer der KölnTourismus GmbH und davor vier Jahre Leiter des Amtes für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Pressesprecher der Stadt Köln. KH Merfeld ist seit 41 Jahren Beamter der Stadt Köln.

„Meine Stadt Moskau“

Eine neue Diplomatie in Zeiten weltweiter Vernetzung

Es ist kein ganz neuer Gedanke, dass die Menschen unterschiedlicher Länder über die Grenzen hinweg Beziehungen entwickeln können, die stärker sind als die staatlich-politischen Beziehungen zu bestimmten Zeiten sind oder sein können.

In neuerer Zeit beobachte ich aber wieder stärker die Auseinandersetzung mit dem, was – unterschiedlich, aber mit gleicher Intention – „Volksdiplomatie“, „Bürgerdiplomatie“ oder „kommunale Diplomatie“ genannt wird. Ich möchte im Folgenden versuchen, Gemeinsamkeiten und Unterscheidungen bei diesen Begriffen zu finden, die einen Kern der Arbeit der Deutsch-Russischen Akademie Ruhr beschreiben.

Volksdiplomatie

Der Begriff der Volksdiplomatie hat bereits eine lange Geschichte. Er war ein in der Sowjetzeit ein Synonym für die Vorstellung, ein ganzes Volk, das hinter seiner – der sowjetischen – Regierung stehe, wende sich, an den Regierungen vorbei an die Arbeiterklasse anderer Länder, allerdings ganz im Sinne ihrer Regierung.

Diese Sichtweise ist sicher nicht der Hintergrund neuer Diskussionen über eine Volksdiplomatie. Vielmehr ist heute die Vorstellung weit verbreitet, dass in einer offenen und vernetzten Welt der Austausch von Meinungen und Positionen eben nicht Regierungen vorbehalten bleibe, schon gar nicht, wenn sie sich als unfähig zur Lösung von Problemen erweisen, sondern vielmehr in der Verantwortung „des Volkes“ lägen.

Fritz Pleitgen schreibt in einer E-Mail an die Deutsch-Russische Akademie Ruhr, sein „alter Freund Lew Kopelew“ habe von Volksdiplomatie gesprochen. Eine solche könne „in der Tat der Politik helfen, neue Pfade einzuschlagen.“ Die Stadt Wolgograd hat im Jahr 2015 einen Kongress zum ersten UNO-Tag der Städte abgehalten, der sich dem Thema Volksdiplomatie widmete. Die Stadt bezeichnet sich als „Welthauptstadt der Volksdiplomatie“ und ist fest entschlossen, diesem Titel Inhalt zu verleihen. In einer Entschließung wurde die Absicht ausformuliert und die Universität Wolgograd mit der Entwicklung eines Konzeptes beauftragt.

Wolgograd unternahm diese Initiative 70 Jahre nach dem Abschluss des ersten Städtepartnerschaftsvertrages überhaupt. Schon 1944 verschwisterten sich Wolgograd und Coventry. Die Stadt unterhält heute ein sehr aktives Netz von Städtepartnerschaften und internationalen Aktivitäten. In Deutschland ist Wolgograd mit Köln und Chemnitz partnerschaftlich verbunden.

Volksdiplomatie, wie sie dort verstanden wird, soll über menschliche Beziehungen das Verständnis zwischen den Menschen verbessern. Sie soll Verständnis und Verständigung erzeugen, wo die politisch und medial vermittelte Wirklichkeit nicht mehr mit den Erfahrungen der Menschen übereinstimmt.

Bürgerdiplomatie

Eben dieser letzte Gedanke bringt mich zu der Überzeugung, dass der bessere Begriff für das, was gewollt ist, eine Bürgerdiplomatie ist. Völker sind als Kollektiv nicht handlungsfähig. Aktiv werden verantwortungsvolle Menschen, die sich für ihr Gemeinwesen und für die Beziehungen zwischen verschiedenen Gemeinwesen – Kommunen, Regionen, Staaten – einsetzen, um sie möglichst positiv zu gestalten.

Die Stadt Münster spricht zum Beispiel im Zusammenhang mit Städtepartnerschaften von Internationaler Bürgerdiplomatie, weil es konkrete Menschen sind, die als Bürger der verbundenen Städte miteinander umgehen und dadurch eine neue Wirklichkeit schaffen.

Der Begriff wird auch im Zusammenhang mit dem langwierigen aber sehr erfolgreichen Einsatz von Bürgern für internationale politische Ziele benutzt, zum Beispiel für das zähe Bemühen der Initiative gegen Landminen bei der Beeinflussung der Regierungen, diese internationale Initiative zu unterstützen. Tatsächlich war hier die Bürgerdiplomatie zum erfolgreichen Lobbying geworden, weil in jedem Land genug Aktive das Ziel über die nationalen Interessen gestellt haben.

Im Begriff der Bürgerdiplomatie schwingt mehr als im Begriff Volksdiplomatie die Freiheit des handelnden Bürgers und seine Motivation mit, die sich auf konkrete Verbesserungen über Staatsgrenzen hinweg gründet.

In den USA ist dieser Begriff im Sinne einer wertegebundenen Beziehungspflege über Grenzen hinweg immer wieder verwendet worden und in Japan hat der Begriff ebenfalls schon eine lange Tradition.

Kommunale Diplomatie

Am verständlichsten wird der Zusammenhang von konkreten Aktionen von Bürgern und internationaler Verständigung in den Städtepartnerschaften, wo sie mehr sind als gelegentlicher Austausch von offiziellen Delegationen. Wenn heute von Kommunaler Diplomatie gesprochen wird, dann ist in der Regel ein breites Feld von Beziehungen zwischen Städten und Kreisen mit Partnern in anderen Ländern gemeint, das Vereine, Schulen, Einzelinitiativen, Sportler und Kulturschaffende, Wissenschaftler und Fachleute verschiedenster Disziplinen zusammen bringt.

Was man heute Zivilgesellschaft nennt, verbindet sich hier zu einem Ganzen zum gegenseitigen Vorteil. Man lernt voneinander, gewinnt durch die Beziehungen an interkultureller Kompetenz, kann eigene Leistungsfähigkeit zum Vorteil des Anderen einsetzen und erhält Freundschaft und Anerkennung zurück.

Es wird über die neue Bedeutung von Städtepartnerschaften in den letzten Jahren viel geredet. Tatsächlich ist festzustellen, dass sich manche alte Formen der Städtebeziehungen erschöpft haben. Seit 1990 haben sich aber auch ganz neue Formen entwickelt, die nicht nur auf kulturelles Sich-Wohlfühlen sondern auf konkrete Zusammenarbeit in Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und im weitesten Sinne Sozialwesen orientiert sind.

Gerade in dieser inhaltlichen Ausprägung kann kommunale Diplomatie ganz neue Wege gehen. Dies setzt allerdings voraus, dass die finanziellen Grundlagen zu schaffen sind und dass die Städte sich immer mehr als Netzwerkpartner für ihre aktiven Bürger verstehen und weniger als die Hauptakteure der Städtepartnerschaften.

Was heißt das nun für die Arbeit auf der Plattform der Deutsch-Russischen Akademie Ruhr?

Alle drei Begriffe, unter denen uns die zwischengesellschaftlichen, ganz wesentlich von der Zivilgesellschaft in Form engagierter Bürger getragenen internationalen Beziehungen begegnen, haben ihre  spezielle Ausprägung. Alle sind aber darauf gerichtet, dass jetzt lebende Menschen Politik von Staaten nicht als Schicksal begreifen sondern dass sie ihre Möglichkeiten nutzen, für gute Beziehungen, menschliches Verständnis und gemeinsames Leben in versöhnter Vielfalt einzutreten. Sie sind das Gegenbild der Neigung zu Abgrenzung, Selbstüberhöhung, nationalistischer Entwicklungen und der Bereitschaft, Gewalt als Mittel der Politik zu akzeptieren.

Die Deutsch-Russische Akademie will genau das. Sie will zeigen, dass im Verhältnis von Deutschen und Russen viel Gemeinsames, eine Grundsympathie vorhanden ist, die menschliche und fachliche Zusammenarbeit sinnvoll und fruchtbar machen. Was an menschlichen Brücken existiert darf nicht verschüttet werden unter politischen Auseinandersetzungen.

Unsere Plattform soll zeigen, dass es viel menschliche Substanz gibt in den Beziehungen zwischen Deutschen und Russen und dass wir darauf auch in Zukunft bauen können.

Ein Beitrag von Erich G. Fritz.

Die Deutsch-Russische Akademie Ruhr. Eine Einladung zum Mitmachen!

Die Auslandsgesellschaft:

Von jeher der Ort des Dialoges in schwierigen Zeiten.

Es ist kein Zufall, dass die Idee einer neuen Dialog-Plattform zu den menschlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland ausgerechnet von der Auslandsgesellschaft in Dortmund ausging. Das Haus an der Steinstraße, heute Europazentrum und Sitz sowohl der Auslandsgesellschaft NRW wie der Auslandsgesellschaft Deutschland, hat eine lange Tradition im bauen schwieriger Brücken zwischen Deutschland und Russland.

Als die Auslandsgesellschaft NRW noch Rheinisch-Westfälische Auslandsgesellschaft hieß und sich intensiv mit der Versöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern beschäftigte, wurde durch die Entspannungspolitik der siebziger Jahre auch das Gespräch mit Russland möglich. Die Stadt Dortmund ging eine Städtepartnerschaft mit Rostow am Don ein und die Auslandsgesellschaft war dabei stark engagiert. Seitdem ist Russland ein wichtiger Partner in der Arbeit der Auslandsgesellschaft gewesen und immer wieder Thema wichtiger Diskussionen. Ein paar Beispiele sollen die Bandbreite dieser Arbeit zeigen:

Die Auslandsgesellschaft in Dortmund hat das erste deutsch-russische Historiker-Kolloquium veranstaltet, zu einer Zeit, als die Deutung der Geschichte noch Teil eines ideologischen Kampfes war. In Dortmund und in Moskau wurde auf hohem Niveau um ein gemeinsames Geschichtsbild gerungen, aber auch die Auseinandersetzung in der historischen Wissenschaft in Russland selbst geführt (z. B. um den Hitler-Stalin-Pakt).

Das erste deutsch-russische Gespräch über Umweltschutz wurde ebenfalls hier geführt. Ein Kongress der Auslandsgesellschaft führte Fachleute und Journalisten beider Seiten zusammen, zu einer Zeit, als ein solcher Dialog politisch noch gar nicht denkbar war.

Über viele Jahre beherbergte die Auslandsgesellschaft das Deutschlandbüro der deutsch-sowjetischen Gesellschaft. Das war auch der Grund für die Ansiedlung eines russischen Lektors für jeweils zwei Jahre. Einer von ihnen war der bedeutende Wissenschaftler und Autor Watscheslaw Datschitschew, der in vielen Veranstaltungen vorweg nahm, was erst unter Gorbatschow in Russland selbst möglich wurde, eine offene, kritische Auseinandersetzung mit der gemeinsamen Geschichte und der Nachkriegsgeschichte.

Und ein weiteres Bespiel ist eine Ausstellung, die durch 27 Städte Russlands gegangen ist. Sie trug den Titel „Deutsche und Russen – nicht nur Gegner“ und zeigte historische Beispiele für das Gemeinsame in der deutsch-russischen Geschichte. Der Katalog war ein Bestseller in Russland, obwohl oder weil er kritische Betrachtungen nicht vermied.

Am Ende des Kalten Krieges wurde die Entwicklung Russlands besonders aufmerksam verfolgt und diskutiert. Die deutsch-russische oder später deutsch-osteuropäische Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft hat zum bilateralen Verhältnis, zu vielen menschlichen Begegnungen und zur gegenseitigen Information viel beigetragen.

Dass jetzt wieder die Notwendigkeit besteht, die menschlichen Brücke zwischen Deutschland und Russland zu stärken und entgegen der politischen Großwetterlage sichtbar zu machen, ist angesichts der schwierigen Verhältnisse im Jahr 2014 und zu Beginn von 2015 offensichtlich. Viele Menschen haben ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit den Menschen im jeweils anderen Land, sie können zeigen, dass auch heute vieles geschieht, was die Medien nie erreicht, aber dennoch für das Verständnis wichtig ist. Diese Erfahrungen bergen den Kern guter zukünftiger Verhältnisse, die beide Länder für ihre eigene Entwicklung brauchen, die aber auch Grundvoraussetzung sind für eine friedliche gemeinsame Zukunft in Europa.

Die Deutsch-Russische Akademie Ruhr soll deshalb ein lebendiges Forum für die Darstellung von Erfahrungen sein von Deutschen und Russen, von Städten, die über ihre Partnerschaftsarbeit informieren wollen, von Wissenschaftlern, die über ihre Kooperationen berichten, von Studenten und Journalisten, die ihre Erlebnisse und Erfahrungen darstellen wollen und von Unternehmern und Arbeitnehmern, die in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit ihr je eigenen Erfahrungen gemacht haben.

Wenn Sie sich angesprochen fühlen, dann sind Sie hier richtig. Machen Sie mit und beteiligen Sie sich mit ihren Erfahrungen! Der Austausch im Netz wird erst dann zu notwendigen Veranstaltungen verdichtet werden, wenn Sie genug Material für spannende Themen und für unabwendbare Diskussionen geliefert haben. Dann wird aus der Internet-Plattform eine Akademie, bei der man sich auch im Saal begegnen kann.

Wir erwarten wie immer in der Auslandsgesellschaft bei diesen Aktivitäten ein gewisses Niveau. Hier kann man alles sagen, aber man muss es mit der Achtung vor Anderen tun und innerhalb eines Wertesystems, das nationalistische, rassistische, antisemitische oder andere herabwürdigende oder gar gewalttätige Haltungen.

 

Herzlich Willkommen

Ihr

Erich G. Fritz

Buchrezension: Russland verstehen. Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens.